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“Lovis”, sagte Mattis zu seiner Frau, “unser Kind muß lernen, wie es ist, im Mattiswald zu leben. Laß Ronja hinaus!”

“Schau an, hast du das endlich auch begriffen?” sagte Lovis. 

“Wenn es nach mir gegangen wäre, dann wäre sie schon längst draußen.”

Und damit hatte Ronja die Erlaubnis, frei herum zu streunen, wie sie wollte. Vorher aber ließ Mattis sie dies und jenes wissen.

“Hüte dich vor den Wilddruden und den Graugnomen und den Borkaräubern”, sagte er.

“Woher soll ich wissen, wer die Wilddruden und die Graugnomen und die Borkaräuber sind?” fragte Ronja.

“Das merkst du schon”, antwortete Mattis.

“Na, dann”, sagte Ronja.

“Und dann hütest du dich davor, dich im Wald zu verirren”, sagte Mattis.

“Was tu ich, wenn ich mich im Wald verirre?” fragte Ronja.

“Suchst dir den richtigen Pfad”, antwortete Mattis.

“Na, dann”, sagte Ronja.

“Und dann hütest du dich davor, in den Fluß zu plumpsen”, sagte Mattis.

“Und was tu ich, wenn ich in den Fluß plumpse?” fragte Ronja.

“Schwimmst”, sagte Mattis.

“Na, dann”, sagte Ronja.

“Und dann hütest du dich davor, in den Höllenschlund zu fallen”, sagte Mattis.

Er meinte den Abgrund der die Mattisburg in zwei Hälften teilte. 

“Und was tu ich, wenn ich in den Höllenschlund falle?” fragte Ronja.

“Dann tust du gar nichts mehr”, antwortete Mattis und stieß ein Gebrüll aus, als säße ihm alles Übel der Welt in der Brust. 

“Na, dann”, sagte Ronja, nachdem Mattis ausgebrüllt hatte. 

“Dann falle ich eben nicht in den Höllenschlund. Sonst noch was?”

“O ja”, sagte Mattis. “Aber das merkst du schon selber so allmählich. Geh jetzt!”


So steht es in Astrid Lindgrens Buch “Ronja Räubertochter” und so hat Ronja es dann gemacht: Sie lief in den Wald, hütete sich vor den Wilddruden und davor, in den Fluss zu plumpsen und in den Höllenschlund zu fallen.

 

Foto: @Schritte.ins.Gruene

Die wenigsten von uns leben in einer Welt wie Ronja Räubertochter und die Räuber der Mattisburg. Ausschließlich umgeben von Wald und Natur und dem Rhythmus der Jahreszeiten. 

Die Gefahren sind nicht Donnerdruden und Höllenschlund, sondern zum Beispiel Straßenverkehr und Schulversagen. Und davor wollen wir unsere Liebsten beschützen.

Barbara, Mutter von Wildling Mitgründerin Anna, in ihrer wilden Jugend

Vertrauen und Selbstwirksamkeit fördern

Nun ist es - leider - so, dass wir unsere Kinder nicht immer beschützen können. Das ist der eine Punkt. Der andere ist, dass Kinder Freiheiten und den Raum brauchen um selber Erfahrungen zu machen, körperliche Grenzen auszuprobieren und zu erleben, was sie selber können. 

Selbstwirksamkeit meint das Bewusstsein, dass man mit eigenen Handlungen auch schwierige Probleme lösen kann. Wenn wir den Kleinsten alle Probleme und Herausforderungen abnehmen wollen, dann ‘helfen’ wir ihnen damit nicht, sondern verhindern diesen natürlichen, wichtigen Prozess. 

Ja, wenn der Fünfjährige mit der Heckenschere auf dem Trampolin Saltos übt, dann unterbinden wir das. Aber bei Vielem können wir uns sicher sein, dass sie die Herausforderungen, die sie sich selber suchen auch bewältigen können. Wie das Laufen lernen, gehören bestimmte Entwicklungsschritte zu Kindern.

Dazu müssen wir als Eltern gar nicht viel tun: Unsere Kinder machen lassen. Oft ist das aber das Allerschwerste, denn wir fühlen uns verantwortlich für ihr Wohlergehen und geben uns schnell die Schuld, wenn sie sich verletzen, wenn sie hinfallen, oder wenn wir mitbekommen, dass sie von anderen geärgert wurden.

Aber was lernt ein Kind, dem wir alle Herausforderungen abnehmen, das wir vor allen Gefahren “beschützen”? Es lernt, dass wir ihm nicht zutrauen, Probleme allein zu meistern. Ganz gleich, ob das “Problem” ein Klettergerüst ist, das wir als zu hoch empfinden, der Weg zur Schule, den das Kind unbedingt mit dem Fahrrad zurück legen will oder der erste Urlaub, den die Teenietochter mit ihrer Freundin erleben will: Das alles sind Aufgaben, an denen Kinder wachsen, auch wenn sie sicherlich den ein oder anderen blauen Fleck auf Körper und Seele davon tragen. Blaue Flecken verschwinden, das Gefühl, alleine eine Herausforderung gemeistert zu haben, bleibt. Und: Auch wir wachsen an diesen Abenteuern, denn sie bereiten uns sachte darauf vor, dass wir irgendwann ganz loslassen müssen. Hervorragend, wenn unsere Kinder dann Wurzeln und Flügel haben..

Weil man hier sagen könnte “Gut und schön, das sagt sich so leicht, aber…” haben wir im Team Wildling mal ein paar Geschichten gesammelt - eigene Erinnerungen an Herausforderungen aber auch der Umgang als Eltern mit Situationen, in denen wir unseren Kindern am liebsten “Neeeeein, lass das!” zurufen wollen.


Abenteuerlust und das richtige Maß an Wegschauen

Am Häufigsten nannten diejenigen unter uns, mit noch kleinen Kindern, Situationen wie diese: “Mir ist besonders im Gedächtnis geblieben, wie meine damals 1,5 jährige Tochter munter ihrem Bruder hinterher die hohe Leiter der Rutsche hoch geklettert ist. Sie konnte damals noch nicht laufen, aber eben sehr gut klettern. Ich bin innerlich durchgedreht, habe es aber irgendwie geschafft, ganz ruhig zu ihr zu gehen und zu behaupten, ich würde ich nur mal zuschauen wollen, weil ich es sooo toll finden würde, was sie da macht. Am Ende stand sie dann stolz wie Bolle und freudestrahlend auf wackeligen Beinen auf der Rutsche.” (Anna F.)

Manche haben auch die Erinnerungen an eigene Abenteuer nicht vergessen:

“Mit ca. 25 war ich in Australien und total auf dem Abenteuertrip. Dazu gehört natürlich auch Fallschirmspringen. Also habe ich freudestrahlend meine Eltern vom anderen Ende der Welt angerufen und ins Telefon geschrien: „Ich springe jetzt gleich aus einem Flugzeug!!!“ Die Antwort meines Vaters: „Wenn du das machst, rede ich danach kein Wort mehr mit dir!“ 

Bin dann natürlich trotzdem gesprungen und habe beim Telefonat im Anschluss tausend Liebesbekundungen durch den Telefonhörer erhalten. Das Video vom Sprung haben sie sich danach aber trotzdem nur widerwillig und mit erhöhtem Puls und schweißnassen Händen angeschaut.” (Nicole)

Christina hat Zwillinge und erlebt Abenteuer gleich doppelt: “Mit zwei Jahren kletterten meine Kinder aufs hohe Klettergerüst oder erkundeten Berlin per Laufrad, mit vier sind sie in den australischen Wellen geschwommen und im Camper haben wir den Kontinent umrundet und jetzt mit sechs Jahren fahren sie mit dem Stadtbus allein zur Schule. Mit den Resultaten: Stolz, Freude, Selbstbewusstsein & ein kleines Tränchen in meinem Augenwinkel ("jetzt ziehen sie bald aus").”

Janina freut sich, wenn ihre ältere Tochter den Mut hat, sich und ihre Grenzen auszuprobieren:

Im Urlaub wollten die Mädels schon mal an den Strand, während wir noch am Wohnmobil rum geräumt haben. Der Strand war in Sichtweite und etwa 10 Meter weg. Also habe ich es erlaubt. Keine drei Minuten später standen beide (2 Jahre und 7 Jahre) auf den Klippen neben dem Strand. Ich habe fast einen Herzinfarkt bekommen. Aber dann war es eh zu spät, es zu verbieten, also hab ich sie machen lassen (die sind ewig im Sonnenuntergang da herum geklettert, haben Krebse beobachtet, gespielt und aufs Meer geguckt). Und nun ist es laut der Großen die "allerbeste Erinnerung", die sie vom Urlaub hat. Und: "Aber Mama, du weißt doch, dass man in den Wildlingen gut klettern kann, da brauchst du doch keine Angst haben!"

Und so hat die Tochter selber eine Grenze gelernt und nicht nur auf ein Verbot gehört.

In der Dachsfamilie gibt es viel Erfahrung mit dem Loslassen und Zutrauen in die Fähigkeiten der Kinder:

“Wir haben ja hier wirklich alle Altersklassen zuhause und egal wann, wer oder wie...sobald sie ihre nächsten Schritte gehen wollen, kann man nur atmen und loslassen. Wir haben versucht - und versuchen es immer noch - die Basis dafür zu schaffen, dass jede_r seine Fähigkeiten selber gut einschätzen kann und unseren Kindern ein Paket an wichtigen Dingen mitzugeben und dann zu vertrauen. Wenn man nicht immer wieder seine Komfortzone verlässt, mutig nächste Schritte geht, dann gibt es Stillstand. Wir möchten unsere Ängste und Sorgen nicht auf unsere Kinder übertragen, sie dürfen ihre eigenen Erfahrungen machen.

Ich sehe noch den knapp Zweijährigen, der vom Dreier in die Arme seines Vaters springt und ich muss mich wegdrehen. Der Elfjährigen einen Fallschimsprung zu schenken...Erlebnisse die sie nie vergessen werden. Aber auch wir Eltern müssen dann gegenseitig vertrauen und uns stützen.

Das schönste Erfolgserlebnis ist einfach, es geschafft zu haben...nicht das Lob der Eltern, das Klatschen oder die Party...nein, selber erfolgreich gewesen zu sein, das kribbelige Gefühl im Bauch.

Schön finde ich das Beispiel der ersten Schritte eines Kleinkindes...das ist etwas was wir nicht beeinflussen können...sie laufen, wenn sie können und nicht wenn wir wollen...wir motivieren vielleicht, aber faktisch was dazu beitragen, können wir nicht. Komischerweise ist das aber etwas, was alle Eltern voranbringen möchten, auch wenn sie sich dabei verletzen können. Warum auch nicht die anderen Schritte freudig begrüßen, die unsere Kinder tun wollen?”


Bei welchen Abenteuern habt ihr Herausforderungen gemeistert? Welche Abenteuer eurer Kinder lassen euch die Luft anhalten (oder die Hände vor die Augen halten…) aber ihr lasst es trotzdem durchgehen?

Run wild! Anna, Ran & Team Wildling

“Lovis”, sagte Mattis zu seiner Frau, “unser Kind muß lernen, wie es ist, im Mattiswald zu leben. Laß Ronja hinaus!”

“Schau an, hast du das endlich auch begriffen?” sagte Lovis. 

“Wenn es nach mir gegangen wäre, dann wäre sie schon längst draußen.”

Und damit hatte Ronja die Erlaubnis, frei herum zu streunen, wie sie wollte. Vorher aber ließ Mattis sie dies und jenes wissen.

“Hüte dich vor den Wilddruden und den Graugnomen und den Borkaräubern”, sagte er.

“Woher soll ich wissen, wer die Wilddruden und die Graugnomen und die Borkaräuber sind?” fragte Ronja.

“Das merkst du schon”, antwortete Mattis.

“Na, dann”, sagte Ronja.

“Und dann hütest du dich davor, dich im Wald zu verirren”, sagte Mattis.

“Was tu ich, wenn ich mich im Wald verirre?” fragte Ronja.

“Suchst dir den richtigen Pfad”, antwortete Mattis.

“Na, dann”, sagte Ronja.

“Und dann hütest du dich davor, in den Fluß zu plumpsen”, sagte Mattis.

“Und was tu ich, wenn ich in den Fluß plumpse?” fragte Ronja.

“Schwimmst”, sagte Mattis.

“Na, dann”, sagte Ronja.

“Und dann hütest du dich davor, in den Höllenschlund zu fallen”, sagte Mattis.

Er meinte den Abgrund der die Mattisburg in zwei Hälften teilte. 

“Und was tu ich, wenn ich in den Höllenschlund falle?” fragte Ronja.

“Dann tust du gar nichts mehr”, antwortete Mattis und stieß ein Gebrüll aus, als säße ihm alles Übel der Welt in der Brust. 

“Na, dann”, sagte Ronja, nachdem Mattis ausgebrüllt hatte. 

“Dann falle ich eben nicht in den Höllenschlund. Sonst noch was?”

“O ja”, sagte Mattis. “Aber das merkst du schon selber so allmählich. Geh jetzt!”


So steht es in Astrid Lindgrens Buch “Ronja Räubertochter” und so hat Ronja es dann gemacht: Sie lief in den Wald, hütete sich vor den Wilddruden und davor, in den Fluss zu plumpsen und in den Höllenschlund zu fallen.

 

Foto: @Schritte.ins.Gruene

Die wenigsten von uns leben in einer Welt wie Ronja Räubertochter und die Räuber der Mattisburg. Ausschließlich umgeben von Wald und Natur und dem Rhythmus der Jahreszeiten. 

Die Gefahren sind nicht Donnerdruden und Höllenschlund, sondern zum Beispiel Straßenverkehr und Schulversagen. Und davor wollen wir unsere Liebsten beschützen.

Barbara, Mutter von Wildling Mitgründerin Anna, in ihrer wilden Jugend

Vertrauen und Selbstwirksamkeit fördern

Nun ist es - leider - so, dass wir unsere Kinder nicht immer beschützen können. Das ist der eine Punkt. Der andere ist, dass Kinder Freiheiten und den Raum brauchen um selber Erfahrungen zu machen, körperliche Grenzen auszuprobieren und zu erleben, was sie selber können. 

Selbstwirksamkeit meint das Bewusstsein, dass man mit eigenen Handlungen auch schwierige Probleme lösen kann. Wenn wir den Kleinsten alle Probleme und Herausforderungen abnehmen wollen, dann ‘helfen’ wir ihnen damit nicht, sondern verhindern diesen natürlichen, wichtigen Prozess. 

Ja, wenn der Fünfjährige mit der Heckenschere auf dem Trampolin Saltos übt, dann unterbinden wir das. Aber bei Vielem können wir uns sicher sein, dass sie die Herausforderungen, die sie sich selber suchen auch bewältigen können. Wie das Laufen lernen, gehören bestimmte Entwicklungsschritte zu Kindern.

Dazu müssen wir als Eltern gar nicht viel tun: Unsere Kinder machen lassen. Oft ist das aber das Allerschwerste, denn wir fühlen uns verantwortlich für ihr Wohlergehen und geben uns schnell die Schuld, wenn sie sich verletzen, wenn sie hinfallen, oder wenn wir mitbekommen, dass sie von anderen geärgert wurden.

Aber was lernt ein Kind, dem wir alle Herausforderungen abnehmen, das wir vor allen Gefahren “beschützen”? Es lernt, dass wir ihm nicht zutrauen, Probleme allein zu meistern. Ganz gleich, ob das “Problem” ein Klettergerüst ist, das wir als zu hoch empfinden, der Weg zur Schule, den das Kind unbedingt mit dem Fahrrad zurück legen will oder der erste Urlaub, den die Teenietochter mit ihrer Freundin erleben will: Das alles sind Aufgaben, an denen Kinder wachsen, auch wenn sie sicherlich den ein oder anderen blauen Fleck auf Körper und Seele davon tragen. Blaue Flecken verschwinden, das Gefühl, alleine eine Herausforderung gemeistert zu haben, bleibt. Und: Auch wir wachsen an diesen Abenteuern, denn sie bereiten uns sachte darauf vor, dass wir irgendwann ganz loslassen müssen. Hervorragend, wenn unsere Kinder dann Wurzeln und Flügel haben..

Weil man hier sagen könnte “Gut und schön, das sagt sich so leicht, aber…” haben wir im Team Wildling mal ein paar Geschichten gesammelt - eigene Erinnerungen an Herausforderungen aber auch der Umgang als Eltern mit Situationen, in denen wir unseren Kindern am liebsten “Neeeeein, lass das!” zurufen wollen.


Abenteuerlust und das richtige Maß an Wegschauen

Am Häufigsten nannten diejenigen unter uns, mit noch kleinen Kindern, Situationen wie diese: “Mir ist besonders im Gedächtnis geblieben, wie meine damals 1,5 jährige Tochter munter ihrem Bruder hinterher die hohe Leiter der Rutsche hoch geklettert ist. Sie konnte damals noch nicht laufen, aber eben sehr gut klettern. Ich bin innerlich durchgedreht, habe es aber irgendwie geschafft, ganz ruhig zu ihr zu gehen und zu behaupten, ich würde ich nur mal zuschauen wollen, weil ich es sooo toll finden würde, was sie da macht. Am Ende stand sie dann stolz wie Bolle und freudestrahlend auf wackeligen Beinen auf der Rutsche.” (Anna F.)

Manche haben auch die Erinnerungen an eigene Abenteuer nicht vergessen:

“Mit ca. 25 war ich in Australien und total auf dem Abenteuertrip. Dazu gehört natürlich auch Fallschirmspringen. Also habe ich freudestrahlend meine Eltern vom anderen Ende der Welt angerufen und ins Telefon geschrien: „Ich springe jetzt gleich aus einem Flugzeug!!!“ Die Antwort meines Vaters: „Wenn du das machst, rede ich danach kein Wort mehr mit dir!“ 

Bin dann natürlich trotzdem gesprungen und habe beim Telefonat im Anschluss tausend Liebesbekundungen durch den Telefonhörer erhalten. Das Video vom Sprung haben sie sich danach aber trotzdem nur widerwillig und mit erhöhtem Puls und schweißnassen Händen angeschaut.” (Nicole)

Christina hat Zwillinge und erlebt Abenteuer gleich doppelt: “Mit zwei Jahren kletterten meine Kinder aufs hohe Klettergerüst oder erkundeten Berlin per Laufrad, mit vier sind sie in den australischen Wellen geschwommen und im Camper haben wir den Kontinent umrundet und jetzt mit sechs Jahren fahren sie mit dem Stadtbus allein zur Schule. Mit den Resultaten: Stolz, Freude, Selbstbewusstsein & ein kleines Tränchen in meinem Augenwinkel ("jetzt ziehen sie bald aus").”

Janina freut sich, wenn ihre ältere Tochter den Mut hat, sich und ihre Grenzen auszuprobieren:

Im Urlaub wollten die Mädels schon mal an den Strand, während wir noch am Wohnmobil rum geräumt haben. Der Strand war in Sichtweite und etwa 10 Meter weg. Also habe ich es erlaubt. Keine drei Minuten später standen beide (2 Jahre und 7 Jahre) auf den Klippen neben dem Strand. Ich habe fast einen Herzinfarkt bekommen. Aber dann war es eh zu spät, es zu verbieten, also hab ich sie machen lassen (die sind ewig im Sonnenuntergang da herum geklettert, haben Krebse beobachtet, gespielt und aufs Meer geguckt). Und nun ist es laut der Großen die "allerbeste Erinnerung", die sie vom Urlaub hat. Und: "Aber Mama, du weißt doch, dass man in den Wildlingen gut klettern kann, da brauchst du doch keine Angst haben!"

Und so hat die Tochter selber eine Grenze gelernt und nicht nur auf ein Verbot gehört.

In der Dachsfamilie gibt es viel Erfahrung mit dem Loslassen und Zutrauen in die Fähigkeiten der Kinder:

“Wir haben ja hier wirklich alle Altersklassen zuhause und egal wann, wer oder wie...sobald sie ihre nächsten Schritte gehen wollen, kann man nur atmen und loslassen. Wir haben versucht - und versuchen es immer noch - die Basis dafür zu schaffen, dass jede_r seine Fähigkeiten selber gut einschätzen kann und unseren Kindern ein Paket an wichtigen Dingen mitzugeben und dann zu vertrauen. Wenn man nicht immer wieder seine Komfortzone verlässt, mutig nächste Schritte geht, dann gibt es Stillstand. Wir möchten unsere Ängste und Sorgen nicht auf unsere Kinder übertragen, sie dürfen ihre eigenen Erfahrungen machen.

Ich sehe noch den knapp Zweijährigen, der vom Dreier in die Arme seines Vaters springt und ich muss mich wegdrehen. Der Elfjährigen einen Fallschimsprung zu schenken...Erlebnisse die sie nie vergessen werden. Aber auch wir Eltern müssen dann gegenseitig vertrauen und uns stützen.

Das schönste Erfolgserlebnis ist einfach, es geschafft zu haben...nicht das Lob der Eltern, das Klatschen oder die Party...nein, selber erfolgreich gewesen zu sein, das kribbelige Gefühl im Bauch.

Schön finde ich das Beispiel der ersten Schritte eines Kleinkindes...das ist etwas was wir nicht beeinflussen können...sie laufen, wenn sie können und nicht wenn wir wollen...wir motivieren vielleicht, aber faktisch was dazu beitragen, können wir nicht. Komischerweise ist das aber etwas, was alle Eltern voranbringen möchten, auch wenn sie sich dabei verletzen können. Warum auch nicht die anderen Schritte freudig begrüßen, die unsere Kinder tun wollen?”


Bei welchen Abenteuern habt ihr Herausforderungen gemeistert? Welche Abenteuer eurer Kinder lassen euch die Luft anhalten (oder die Hände vor die Augen halten…) aber ihr lasst es trotzdem durchgehen?

Run wild! Anna, Ran & Team Wildling