Gemeinsam für gesunde Füße

Warum sind konventionelle Socken im vorderen Bereich eigentlich trapezförmig geschnitten und drängen die Zehen zusammen? Diese Frage haben sich auch Dr. Wieland Kinz und sein Forschungsteam gestellt und als Antwort die plus12socks entwickelt: Sie verlaufen kerzengerade im Bereich der großen Zehe und bieten dadurch wunderbar viel Platz.

Und weil wir viel Platz für unsere Zehen so lieben, ist mit der Frühjahrs-/Sommerkollektion 2021 der Admiralfalter von plus12socks in den Wildling Shop eingezogen, der zum Herbst 2021 Gesellschaft von seinem wolligen Kollegen, dem Schwärmer bekommen hat. Die Geschichte von Wildling und plus12 reicht aber schon deutlich weiter zurück. Wieland, Gründer des Forschungsteams Kinderfüße – Kinderschuhe und Wildling Gründerin Anna haben sich bereits 2014 auf einem Kinderfußmesstag in den Niederlanden kennengelernt, den Wieland mit seinem Team durchführte. Damals tüftelten Anna und Ran gerade am ersten Wildling Prototyp. Und natürlich sind sie über die gemeinsame Schnittstelle ihrer Projekte ins Gespräch gekommen: Wie können wir (Kinder-)Füßen mehr Platz geben?

Die Geschichte hinter den anatomisch geformten Socken

Aber wir spulen noch mal zurück und begleiten Wieland auf seinem Weg zur Socke. Mit dem österreichischen Forschungsteam Kinderfüße – Kinderschuhe widmet er sich nämlich schon seit gut 20 Jahren der Entwicklung gesunder Kinderfüße. Zu dem Thema kam der Sportwissenschaftler, als er während des Studiums für eine Schuhfirma arbeitete, die ihr Sortiment um Kinderschuhe erweitern wollte.

„Ich sollte entsprechende Studien und Daten ausfindig machen und fand spannend, dass es so wenige Studien gab und alle vorhandenen zum Ergebnis hatten, dass Kinder zu kurze Schuhe tragen“, berichtet er. „Das war mein Einstieg in den Schuhbereich, ich wollte herausfinden, woran das lag. Schließlich gab es ja Schuhgrößen, warum funktionierten die nicht? Für meine Dissertation Kinderfüße – Kinderschuhe brachte ich dann Sportwissenschaft und Medizin zusammen. Im Auftrag des Österreichischen Bundesministeriums habe ich mit einem Forschungsteam die Füße von 858 Kindergartenkindern ausgemessen, um herauszufinden, wie viele der Kinder passende Schuhe tragen. Dafür haben wir einen Prototypen für ein Messwerkzeug für die Innenlänge von Schuhen entwickelt, denn sowas gab es zu dem Zeitpunkt noch nicht. Und dann bin ich drangeblieben an dem Schuhthema, weil ich einfach nicht glauben konnte, dass an der Stelle so viel falsch läuft. Und von da aus war es nicht weit zur Socke.“

Klar, was nützen auch passende Schuhe, wenn die Füße in einengenden Socken stecken?


Foto: Kinderfüße – Kinderschuhe

Konventionelle Socken passen nicht zu unseren Füßen

Im Zuge ihrer Forschungsarbeiten erstellten Wieland und sein Team Röntgenaufnahmen von Kinderfüßen – barfuß im Vergleich zu Füßen in bequemen Socken. Die Bilder zeigten deutlich, wie sehr konventionelle Socken die Zehen einengen, selbst, wenn sie sich bequem anfühlen. Einen weiteren Aha-Moment brachten die Ergebnisse einer Messung von mehreren hundert Kinderfüßen, bei der es um die Frage ging, wann ein Kinderfuß größer ist: mit oder ohne Socken? Man sollte meinen mit Socken, da ja das Material dazu kommt. Umso überraschender ist das Ergebnis: „Das wollen uns viele gar nicht glauben, aber die Füße sind mit Socken fast alle kürzer und schmaler als barfuß, trotz Materialdicke. Das zeigt ganz deutlich: Die Socken sind zwar dehnbar, aber dennoch meistens zu eng und auch zu kurz. Zusätzlich zu der anatomisch falschen Form.“

Für die Gesundheit von Kinderfüßen ist es ein echtes Problem, dass unpassende Socken der Standard sind. Dabei gibt es inzwischen zahlreiche Untersuchungen, die belegen, wie gravierend die gesundheitlichen Auswirkungen sein können. Genau wie beim Tragen zu kurzer Schuhe wird auch durch anatomisch falsche und zu kurze Socken die Stellung der Großzehe verändert. Sie verbiegt sich in Richtung der zweiten Zehe. Das kann der Vorbote sein für das, was vielen Erwachsenen als Hallux valgus bekannt ist und zu den häufigsten Fußproblemen zählt.

Wildling Minimalschuhe Schwärmer
Höher geschnitten und mit Merinowolle - der Schwärmer. Foto: Wildling Shoes/Sandra Chiolo

Vision: Zehenfreiheit, auch in Socken

 Was tun? Eine Socke sollte her, die im Bereich der Großzehe kerzengerade verläuft und außerdem einen Hinweis gibt, wann sie zu klein ist. Klingt ganz logisch, nur war die Umsetzung dann aber gar nicht so einfach.

„Ich sag’s ganz ehrlich: Die Sockenidee ist inzwischen schon über 10 Jahre alt. Es gibt nämlich weltweit bis heute leider keine technische Möglichkeit, mit der sich diese asymmetrische, zur Fußform passende Socke, die wir vor Augen hatten, maschinell stricken lässt. Wir haben mit unserer Idee bei unzähligen Prototypenbauern angeklopft und dabei auch viel Kopfschütteln geerntet. Und ganz nebenbei habe ich über die Jahre eine sehr große Sammlung an interessanten Socken-Prototypen angelegt“, berichtet Wieland schmunzelnd. Viele dieser Stolpersteine kennen auch Anna und Ran aus ihrer Gründungsphase mit der Wildling Vision zu gut (nur, dass die Prototypen für einen alltagstauglichen Minimalschuh deutlich teurer waren).

Was nicht passt, wird passend gemacht

Aber die Ausdauer hat sich gelohnt, erfolgreich umgesetzt wurden schließlich beide Innovationen. 2020 war es so weit: Die ersten plus12socks sind in Produktion gegangen und es war klar: Diese Socken passen bestens zu den Wildlingen. Das Wildling Team war vor allem beim Testen der Prototypen involviert, in Bezug auf das Material und die Passform gab es zahlreiche Tragetests. Und im Labor werden die Socken zusammen mit den Wildlingen zum Beispiel in Bezug auf ihre Scheuerfestigkeit geprüft.

Aber wie wurde denn das Problem der nicht vorhandenen Maschine letztendlich gelöst? Indem eine neuartige Technik für eine neuartige Socke entwickelt wurde: „Damit sie im Zehenbereich nicht rund zuläuft, sondern der natürlichen Stellung der Zehen folgen kann, lassen wir unsere Socke nun maschinell komplett eckig stricken“, erklärt Wieland. „In einem zweiten Schritt wird dann jede einzelne Socke noch mal individuell von einer Näherin genäht und entsprechend der natürlichen Fußform und der jeweiligen Größe abgerundet.“

Dadurch befindet sich an den Zehenspitzen eine feine Naht, die mit weichem Plüsch ausgekleidet ist. An der Ferse sitzt außerdem ein roter Punkt, an dem sich erkennen lässt, wann die Socke zu klein geworden ist. Sobald der Punkt nicht mehr am richtigen Platz ist, wird es Zeit für die nächste Größe. Gedacht ist die Socke sowohl für Kinder als auch für ausgewachsene Füße und erhältlich von Größe 21 bis 50.

Zehenfreiheit kommt gut an

Und was sagen die Kund:innen? „Die ersten Rückmeldungen waren insgesamt sehr gut“, freut sich Wieland, „die Socken kommen gut an. Parallel sind wir natürlich trotzdem dabei, technische Möglichkeiten zu prüfen und zu überlegen, was wir noch verbessern und weiterentwickeln können. Wir haben inzwischen zwei hochmoderne Strickmaschinen und unsere eigenen Produktionsräume in Vorarlberg, quasi direkt um die Ecke von unserem Büro. Das ist zum einen unglaublich praktisch und zum anderen sind wir auch stolz, dass wir komplett in Österreich produzieren können.“

Wildling Shoes Admiralfalter
Anatomisch geformt und aus Baumwolle gestrickt - der Admiralfalter. Foto: Wildling Shoes/Sandra Chiolo


Wer die Socken zum ersten Mal anzieht, merkt gleich: Diese Socken sind anders als die anderen. Genau wie das Gefühl, das erste Mal in einen Wildling zu schlüpfen. Entsprechend ist es nur folgerichtig, dass die Projekte von Anna und Wieland wieder zusammengefunden haben. Denn natürlich passen zu Schuhen mit viel Platz einzig und allein Socken mit viel Platz. Das ist also die Geschichte hinter dem Admiralfalter. Glücklich vereint, happy end. Und was lernen wir daraus? Wer eine innovative Idee hat, braucht oft reichlich Geduld, Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen – und erntet zuweilen irritierte Rückmeldungen. Aber wer sein Ziel im Auge behält, wird am Ende womöglich mit glücklichen Zehen belohnt. Und was gibt’s Schöneres als glückliche Zehen?

Was sagt ihr zu den plus12socks? Habt ihr sie schon anprobiert? Wenn ja: Wie sind eure Erfahrungen und wie findet ihr das neue Tragegefühl? Wir freuen uns über euer Feedback und Berichte – schließlich sind die fußfreundlichen Alltagssocken auch für uns ein ganz besonderes Produkt.

 

Titelbild: Admiralfalter in Aktion. Foto: Wildling Shoes/Sandra Chiolo

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