„Das Wertvollste, was wir haben, ist Freiheit und ein Leben in Verbundenheit mit der Natur.“

„Das Wertvollste, was wir haben, ist Freiheit und ein Leben in Verbundenheit mit der Natur.“

Menschen, Tiere und die Pflanzenwelt existieren gemeinsam. Für eine lebenswerte Zukunft braucht es Initiativen und Produkte, die regenerativ wirken und sich dafür einsetzen, dem Natürlichen wieder Raum zu geben. Dafür engagieren sich die Menschen, die für die gemeinsame Mission von Rewilding Europe und Wildling im bulgarischen Rhodopen-Gebirge arbeiten.

„Für mich waren Rewilding Europe und die Arbeit im Rhodopen-Gebirge der Grund, warum ich nach Bulgarien zurückgekommen bin“, sagt Poli Karapachov. Nach vielen Jahren im Ausland ist er in seine Heimat zurückgekehrt, um als Enterprise Officer bei Rewilding Europe dazu beizutragen, ökologisch-soziale Einkommensmöglichkeiten in der Rhodopen-Region voran zu bringen. „Ich glaube an das Konzept von Rewilding Europe und habe das Gefühl, dass ich etwas verändern kann.”

Regeneration als Berufung

Die Vision von Rewilding Europe folgt einem scheinbar ganz einfachen Gedanken: Die Natur kann für sich selbst sorgen. Wir müssen ihr nur die Möglichkeit dazu geben. Ein wichtiger Teil der Mission ist dementsprechend, die Rahmenbedingungen für Tiere und Pflanzen so zu gestalten, dass sie möglichst frei von menschlichen Einflüssen sich selbst überlassen sind.

Zugleich konzentriert sich Rewilding Europe darauf, die Probleme, die durch die anhaltende, großflächige Landflucht verursacht werden, in Chancen für Mensch und Natur zu verwandeln. Die Schaffung ökologisch-sozialer Einkommensmöglichkeiten, um Menschen in der Region zu halten, spielen dabei eine wichtige Rolle: heimische, handgemachte Produkte und sanfter Tourismus.

„Wir sagen oft, dass wir unser Hobby zum Beruf gemacht haben und dass wir für ein sehr wichtiges Ziel arbeiten. Und deshalb geben wir niemals auf.“ Geier-Experte Dobromir Dobrev fasst in Worte, was das ganze Team in seiner Arbeit für die Regeneration täglich neu motiviert.

Alles ist verbunden

„Die Wälder und Berge sind voller Leben. Wir sollten dieses Leben schützen und alles dafür tun, dass sich natürliche Prozesse neu entfalten“, sagt Andreana Trifonova, Leiterin des Rewilding Rhodopes Teams in Bulgarien. Denn alles hängt miteinander zusammen und voneinander ab: „Wenn wir beispielsweise einen Prozess der natürlichen Beweidung haben, öffnen die grasenden Tiere die Landschaft, was bedeutet, dass mehr Sonne und Licht auf den Boden gelangen. Das ist die Rolle der Weidetiere: Diese halboffene Landschaft zu erhalten.“

Und Geier-Experte Dobromir ergänzt: „Geier brauchen offene Flächen für die Nahrungssuche, damit sie wirklich interagieren können. Das sind sehr wichtige Teile des Ökosystems. Geier und Weidetiere sind zutiefst miteinander verbunden. Im Grunde sind sie eins.“ Denn sie sind elementare Bestandteile eines Kreislaufs, der alle seine Teile braucht, um im Einklang zu sein.

Menschen, Tiere, Pflanzenwelt – Regeneration braucht uns alle

Das Miteinander von verschiedenen Pflanzenarten, Pflanzenfressern und Raubtieren zeigt uns: Kein Lebewesen steht für sich allein. Ein gesundes Ökosystem lebt von einem ausgewogenen Zusammenspiel all seiner Teile. Auch wir Menschen sind ein Baustein dieses großen Ganzen. Uns dessen immer wieder bewusst zu werden, auch das gehört zur Regeneration.

Auch deshalb spielt die Schaffung nachhaltiger Einkommensmöglichkeiten für die Menschen in der Region so eine entscheidende Rolle in der Mission von Rewilding Europe. „Bei unserer Arbeit geht es immer auch ganz stark um die Menschen, die hier leben“, erklärt Nelly Naydenova, die für die Kommunikation von Rewilding Europe in Bulgarien verantwortlich ist. „Das ist für mich der schönste Teil unserer Arbeit: die Kommunikation mit den Menschen vor Ort. Sie erleben ganz unmittelbar mit, wie sich die Natur Stück für Stück weiter regeneriert. Sie sind wichtige Unterstützer der Rewilding-Idee. Und die Menschen vor Ort spiegeln ja auch die Natur wider.“

In und mit der Natur zu leben, das beflügelt die, die geblieben sind und auch die, die zurückkehren. Aus anderen Ländern, wie Poli, oder aus den Städten, wie Sergey Panayotov. Nach einer langen Karriere als Fotograf und Marketing Manager hat er sich bewusst für ein entschleunigtes Landleben entschieden.

In den Rhodopen organisiert er naturfreundliche Vogelbeobachtungs- und Fototouren und hat das The Old Nest Guest House aus dem Dornröschenschlaf geholt. Fast zwei Jahre Arbeit hat er in die Renovierungsarbeiten gesteckt. Nun beherbergt das vor über 200 Jahren vollständig aus Naturmaterialien erbaute Gästehaus Besucher:innen, die auf naturnahe und ökologische Weise die Rhodopen erkunden möchten.

Ein großer Schritt, den Sergey nicht bereut: „Ich habe erkannt, dass das Wertvollste, was wir haben, nicht Geld ist, sondern Freiheit und ein Leben in Verbundenheit mit der Natur.“

Titelbild: Ivo Danchev