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Woll-Experte: Marco von Nordwolle

Seit fast schon immer sind viele unserer Winter Wildlinge mit einem kuscheligen Innenfutter aus Schurwolle ausgestattet. Bezogen wird das von unserer Partnerfirma Nordwolle, die Marco Scheel auf seiner Heimatinsel Rügen gegründet hat und damit nicht nur seltene Schafrassen schützt, sondern auch Landschaftspflegeprojekte unterstützt. Wie genau das funktioniert, verrät dieser Blogartikel.
Wir wollten ein bisschen mehr über unser liebstes Wintermaterial wissen und haben uns, mit Kamera und vielen Fragen im Gepäck, mit Marco verabredet.

 

Was hast du vor Nordwolle gemacht?

Vor Nordwolle habe ich Wirtschaftsingenieurwesen in der Fachrichtung Energietechnik studiert. Den nachhaltigen Ansatz, den ich jetzt mit meinem Unternehmen verfolge, habe ich quasi mit in die Wiege gelegt bekommen. Ich bin auf Rügen auf dem Land aufgewachsen und habe dort schon von meiner Großmutter ein gewisses Urvertrauen in natürliche Prozesse bekommen. Viele Lösungen und Antworten können wir in der belebten Natur finden - auch heute noch.

 

Wie bist du dazu gekommen, Nordwolle zu gründen und was hat dich dabei motiviert?

Eines meiner großen Hobbys ist das Windsurfen und ich erinnere mich noch genau an eine bestimmte Situation: Meine Freunde und ich sind gerade aus dem Wasser gekommen und standen am Strand. Sie hatten alle diese typischen, stylischen Surferklamotten an und in dem Moment dachte ich mir: “Jetzt hätte ich gerne einen superwarmen Pullover, mit dem ich in dieser Runde aber optisch nicht komplett als “Öko” raussteche, der in Deutschland produziert ist - und zwar aus Wolle.”

Ich kannte damals schon einen Freund, der Pommersche Landschafe hatte und deren Wolle er jedes Jahr vernichten musste, weil sie in der Bekleidungsherstellung keine Verwendung gefunden hatte. Diese Situation fand ich so unangenehm, dass ich daran etwas ändern wollte - und das habe ich dann einfach ausprobiert.
Bis ich jemanden gefunden hatte, der sich vorstellen konnte, aus dieser Wolle Kleidung zu machen, hat es allerdings etwas gedauert. Das Stigma, dass deutsche Wolle ungeeignet für Bekleidung ist, war zu dem Zeitpunkt noch sehr tief verankert. Auch heute noch wird für Kleidung eher zur feineren Merinowolle gegriffen.

 

Pommersche Landschafe
Mit ihnen fing alles an: Pommersche Landschafe (Foto: Wildling Shoes/Sarah Pabst)

 

Was unterscheidet Nordwolle von konventioneller Wolle?

Die Wolle unserer Schafe ist eine sogenannte Mischwolle. Das heißt, sie besteht sowohl aus feinen Fasern, als auch aus groben, hohlen Fasern, die “Grannenhaare” genannt werden. Während die feinen Haare sich schneller mit Wasser vollsaugen, leiten die Grannenhaare es ab. Sie helfen dem Schaf also zusätzlich zum wasserabweisenden Wollfett dabei, auch im norddeutschen Schmuddelwetter warm und trocken zu bleiben.
Genau diesen Effekt behält die Wolle auch dann bei, wenn wir sie zu Kleidung oder Schuhen verarbeiten. Sie ist also für die kalte, nasse Jahreszeit in unserer Region viel besser gerüstet, als Merinowolle, die nur aus feinen Fasern besteht und eher an wärmere Gebiete angepasst ist. Diese Erkenntnis liegt unserer Firma zugrunde.

 

Kannst du uns den Weg vom Schaf bis zum fertigen Produkt, in unserem Fall z.B. das Wildling Futter, skizzieren?

Zunächst einmal wird das Schaf natürlich geschoren. Anschließend wird die Wolle gewaschen und die Fasern parallelisiert, also in dieselbe Richtung gekämmt. Das ist wichtig, damit sich die Grannenhaare gut unter die andern Fasern mischen. Die Wolle wird dann zu einem Garn gesponnen, welches wiederum zu einem Tuch verwoben wird. Dieses wird dann gewalkt, also gerieben und mit Wärme behandelt, wodurch es in Länge und Breite einschrumpelt und sich verdichtet. Damit der Stoff hinterher angenehm am Fuß zu tragen ist, wird er zum Schluss noch geraut. Dadurch werden die feineren Fasern an die Oberfläche gezogen und das Tuch bekommt eine flauschige Oberfläche und etwas mehr Volumen. Und dann geht die Wolle nach Portugal, wo sie zu einem Schuh weiterverarbeitet wird.

 

Frisch geschoren wartet die Wolle auf die Weiterverarbeitung (Foto: Wildling Shoes/Sarah Pabst)

 

Wie bist du eigentlich an Wildling geraten?

Als ich die Firma gegründet habe, sind wir fast jedes Wochenende auf Messen gefahren. Eine davon war der Heldenmarkt und wir hatten unseren Stand direkt neben Anna und ihrer Mutter Barbara. Wir sind dann ins Gespräch gekommen und ich weiß gar nicht mehr, wer von uns es war, aber wir sind dann auf die Idee gekommen, dass unsere Wolle doch eigentlich genau das Richtige für Wildlinge wäre.

 

Woran arbeitest du gerade mit Wildling?

Wir haben bei Nordwolle das Credo, dass wir nicht so gerne färben möchten. Jetzt kam aber Sabine aus dem Produktteam auf mich zu und hat sich einen komplett schwarzen Schuh aus Wolle gewünscht. Das ist gar nicht so einfach, ohne zu färben, da es in Deutschland keine homogen schwarzen Schafe gibt. Tatsächlich bin ich vor kurzem nach England gefahren und habe dort eine nordische Mischwollrasse gefunden, die mit dem Pommerschen Landschaf verwandt ist und ziemlich schwarze Wolle hat. Jetzt gilt es, damit weiter zu arbeiten.

 

Lieber Marco, vielen Dank für das tolle Interview. Wir sind gespannt, was wir noch alles gemeinsam auf die Beine stellen werden.

 

Run wild,

Anna, Ran und die Wildlinge

 

Titelfoto: Wildling Shoes/Sarah Pabst

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