Im Rahmen der aktuellen Herbst-/Winterkollektion durften wir euch ein ganz besonderes Wildling-Modell vorstellen - den “Wolf”.

Wildling, Modell Wolf

Sowohl sein Außenmaterial als auch sein Futter bestehen aus Schurwolle, deren temperaturregulierende Eigenschaft für ein sehr angenehmes Fußklima sorgt. Den verwendeten Schurwollwalk beziehen wir von Nordwolle, einem Unternehmen von der Insel Rügen, welches sich auf die Herstellung hochwertiger Funktionstextilien aus der Wolle bedrohter Schafrassen spezialisiert hat. Nachhaltigkeit, Regionalität sowie ein wertvoller Beitrag zum Artenschutz bilden einen besonderen Fokus der Arbeit von Nordwolle. So ist sowohl die Wolle selbst als auch der gesamte Verarbeitungsprozess dieses altbewährten Rohstoffes “made in Germany”. Um die Frage der optimalen Pflege dieses Modells soll es im folgenden Gastbeitrag von Marco Scheel, dem Geschäftsführer von Nordwolle Rügen, gehen. Im Anschluss an seinen Beitrag findet ihr ergänzend noch zwei Anleitungen zur Wollpflege.

Pflegen ja - aber gewusst, wie!

von Marco Scheel, Geschäftsführer von Nordwolle Rügen  

Was ist Schurwolle und wo kommt sie her?

Schurwolle kommt vom Schaf, soviel ist wohl fast jedem klar. Und der Gedanke liegt wohl auch nah, dass eine Faser, die die Natur in Jahrmillionen entwickelt hat, um diese Tiere vor jeder Witterung zu schützen, auch uns gleichermaßen schützen kann. Die Wolle für den „Wolf“ kommt von einer besonderen Rasse, dem Grauwolligen Pommerschen Landschaf. Diese Rasse wurde auf Rügen vor etwa 3800(!) Jahren gezüchtet. Sie ist eine der wenigen Rassen, die nicht für ihr Fleisch, sondern für ihre Wolle gezüchtet wurden. Tatsächlich waren die Fischer auf Rügen nämlich durch Fisch gut mit Proteinen versorgt. Sie brauchten aber etwas, dass sie bei ihrer Arbeit schützte, sie warm und trocken hielt, und außerdem pflegeleicht und haltbar war.  

Warum kann Wolle das alles?

Intuitiv züchteten die Fischer also eine Rasse mit besonderer Wolle. Da wäre zunächst die Faserstruktur. Die Faserdicken beim Pommernschaf reichen von 20µm bis zu 50µm. (Zum Vergleich: Merinowolle hat gleichbleibend 20µm.) Ab etwa 35µm sind die einzelnen Fasern hohl, gleichen also eher einem Rohr. Diese Lufteinschlüsse sorgen dafür, dass unsere Wolle extrem leicht ist und dabei dennoch extrem stark warm hält. Außerdem lockern die dicken Fasern das Vlies auf und verhindern die Ausbildung von Kapillarwirkungen zwischen den Fasern. Es bilden sich im Regen kleine Tröpfchen an ihnen und diese laufen - wie an einem Schieferdach - außen ab. Den Rest bewirkt das Lanolin, ein Stoff, der in fast sämtlichen Kosmetika zu finden ist. Lanolin ist ein Fett, und da Wasser und Fett sich bekanntlich nicht vermischen lassen, steigert es die wasserabweisende Eigenschaft des Vlieses noch einmal enorm! All’ diese Eigenschaften sorgen dafür, dass die Schafe in unserem rauen Klima auf Rügen gut leben können. 

Was ist zu tun und zu lassen mit den Schuhen?

Der ein oder andere mag sich gefragt haben, warum ich hier beim Urschleim anfange - und die Antwort ist einfach: Weil die Begründung für die folgenden Pflegetipps in der Natur der Dinge liegt. Das Wichtigste vorweg: Benutzt für den Wollwalk des Wolfes keine konventionellen Imprägniersprays! Sie sind für Polyester und Polyacryl hergestellt und enthalten häufig Lösungsmittel, um die Kriechfähigkeit und Wasserverdrängung zu erhöhen. Ganz davon abgesehen, dass sie giftig für euch und eure Umwelt sind, lösen sie das Lanolin im Material und ihr erreicht das Gegenteil von dem, was ihr eigentlich wollt. Nordwolle wäscht die Wolle sehr schonend, um einen hohen natürlichen Lanolingehalt in den Fasern zu erhalten. Da dieses Lanolin natürlich „gewachsen“ ist, nutzt es sich beim Tragen langsamer ab als nachträglich aufgetragenes Lanolin. Wollt ihr eurem Schuh etwas Gutes tun, dann benutzt ein rückfettendes Pflegeprodukt ohne Duftstoffe.* Da die Kommunikation in einer Schafherde sehr stark durch Pheromone (hormonelle Duftstoffe) geprägt ist, ist Wolle von Natur aus so beschaffen, dass sie sich von Fremdgerüchen selbst reinigt, um diese Kommunikation nicht zu stören. Sollte dennoch einmal eine haftende Verunreinigung euren schönen Schuh verunstalten, so klopft diese am besten in getrocknetem Zustand einfach ab, oder bürstet sie vorsichtig lokal aus. Den ganzen Schuh zu waschen solltet ihr vermeiden.

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 Pommernschafe

Pommernschafe

*Pflegeempfehlung für das Modell Wolf von Wildling Shoes

Wie bereits beschrieben, besitzt die Wolle von Natur aus wasserabweisende Eigenschaften - eine zusätzliche Imprägnierung dieser ist also nicht notwendig. Die Mikrofaser des Wolfes sollte jedoch vor dem ersten Tragen und in regelmäßigen Abständen imprägniert oder gewachst werden. Bitte achtet sorgfältig darauf, dass das Imprägniermittel dabei nicht mit der Wolle in Berührung kommt.

Sollte der Lanolingehalt nach längerem Tragen abnehmen, was sich dadurch bemerkbar macht, dass der Walk wasserdurchlässiger wird und sich der Schuh von innen klamm anfühlt, kann der Schuh nachgefettet werden. Zum Nachfetten der Wolle gibt es mehrere Möglichkeiten.

Zwei Anleitungen möchten wir euch hier vorstellen:  

A. Fetten des Schuhs mit einer Lanolin-Bienenwachsmischung: Hierbei wird ein Wachsgemisch wie z.B. die Lenya Imprägnierung aus Lanolin, Bienenwachs, Soja- und Jojobaöl mit einem weichen Pinsel oder Tuch vorsichtig (nicht zu sehr reiben!) auf den Walk aufgetragen und dann vorsichtig mit leichter Wärmestufe eingeföhnt. Das Wachs kann auch als Imprägnierung für den Mikrofaserbereich genutzt werden.    

B. Lanolin-Sprühkur: Eine Lanolin-Sprühkur eignet sich zum einfachen Auffrischen der wasserabweisenden Eigenschaften der Wolle. Dazu einen halben Teelöffel pures Lanolin (aus dem Drogeriegeschäft oder als Adeps Lanae in der Apotheke erhältlich) in heißem Wasser auflösen und einen kleinen Spritzer Wollwaschmittel hinzugeben, das als Emulgator wirkt. In eine kleine Sprühflasche geben, gut schütteln und mit lauwarmen Wasser auffüllen. Die Sprühkur auf den Wollwalk sprühen und die Schuhe lufttrocknen lassen - am Besten kopfüber auf einem Wäscheständer, nicht auf der Heizung.

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