Wir haben Katy Bowman im Barfußpark Egestorf bei Lüneburg getroffen, eine energiegeladene, strahlende und sympathische Frau, die von ihren Büchern erzählt.  “Barfuß gehen”, “Bewegung liegt in deiner DNA” und “Gesunde Füße. Step by Step” sind nun auch auf deutsch erhältlich und das hat Wildling zusammen mit ihr gefeiert.

Jahrelang hat man uns eingetrichtert, dass mehr Sport gesund für uns und unsere Fitness sei.

Und dann kommt Katy Bowman: sie ist Biomechanikerin, beschäftigt sich mit dem Bewegungsapparat des menschlichen Körpers, den Kräften, die auf diesen wirken und welche Bewegungen uns fit halten. Mit ihrem Ansatz stellt sie das klassische Fitnesstraining in Frage..

Wir durften Katy nach einem abwechslungsreichen Spaziergang durch Torf, Matsch, über (abgerundete) Glasscherben, Bucheckern und Baumstämme, interviewen. Hier ein paar Auszüge aus dem Interview, die unser Bild über Bewegung und Sport auf den Kopf gestellt haben:

Katy, wie kamst du zum Barfußlaufen?

Ich habe über die Jahre mit so vielen Menschen gearbeitet, die Knie- oder Hüftprobleme hatten. Gemeinsam  haben wir an ihren Bewegungen und ihrer Haltung gearbeitet. Kaum zogen sie sich die Schuhe wieder an, sah ich förmlich, wie sie wieder in die alte, problematische Haltung zurückfanden. Es war für mich offensichtlich, dass Schuhe eine Ursache vieler Probleme mit dem Muskel-Skelett-System sind.

Maaike und Melanie durften Katy (in der Mitte) einen Tag im Barfußpark begleiten

Maaike und Melanie durften Katy (in der Mitte) einen Tag im Barfußpark begleiten

Ich habe auch mit Frauen gearbeitet, die solche Fußschmerzen hatten, dass sie keinen einfachen Spaziergang machen konnten. Ich sagte zu ihnen: gut, wir machen Übungen für die Füße! In welchem normalen Fitnessstudio gibt es Übungen für die Fußmuskeln? Und das, obwohl so viele Muskeln und Gelenke in den Füßen stecken, so viele Bänder und Nerven. Tag für Tag werden diese für uns so wichtigen Gebilde in festes, unflexibles Schuhwerk gequetscht.

Ich begann also Übungen zu entwickeln, die nah an dem waren, was man als Barfußläufer erlebt - verschiedene Bewegungen der Gelenke, unterschiedliche Belastungen der Muskulatur, ganz einfache Dinge. Die positiven Auswirkungen auf Knie, Hüfte und Wirbelsäule konnte ich sofort feststellen.

Darum bin ich von euren Wildling Shoes so begeistert - solltet ihr je in die USA kommen unterstütze ich euch, wo ich kann!

Dein Ansatz geht über das Barfußlaufen hinaus, du nennst es Nutritious Movement. Was heißt das?

Die Idee dahinter ist, dass Bewegung nahrhaft für den Körper ist. Wie es in der Ernährung ein weites Spektrum von Vitaminen, Mineralien und anderen Nährstoffen gibt, die der Körper braucht, so braucht er auch ein weites Spektrum an Bewegung. Menschen die sich viel bewegen, aber auf die immer gleiche Art und Weise, haben die gleiche Art von Problemen wie Menschen, die sich gar nicht bewegen.

Aber der Bewegungsraum der Menschen ist klein geworden - man denke an die Schuhe, die den Gelenken nicht erlauben sich flexibel zu bewegen oder an den festen, glatten Untergrund, auf dem wir meistens laufen. Das und viele weitere Einschränkungen in unserem Alltag ermöglichen keine abwechslungsreiche Bewegung.

Zur natürlichen Bewegung gehört es, sich draußen zu bewegen, sich auf den Boden zu setzen und wieder aufzustehen, längere Strecken zu laufen, Sachen zu tragen, über oder auf etwas zu klettern

Was ist der Unterschied zwischen Training und Nutritious Movement?

Hinter einem Training steckt meist die Intention: ich mache das um meinen Körper fitter zu machen -  egal ob das Tanzen, Parcours oder Basketball ist. Wenn ich aber meine Tochter sehe, wie sie auf dem Weg nach Hause spontan anfängt zu tanzen oder Stöckchen schmeißt, dann ist das kein Training sondern Bewegung. Hinter Nutritious Movement steht der Gedanke: wenn man mehr über Bewegung wüsste, würde einem direkt auffallen, wo und wie sehr sie im Alltag fehlt. Und wie einfach es ist, wieder mehr Bewegung in den Alltag zu bringen. Die meisten Bewegungen, die man in einem Training macht haben auch im normalen Leben ein Gegenstück, man muss es nur finden und wieder in den Alltag einarbeiten.

Aber es gibt kein “Nutritious Movement Workout” im engeren Sinn. Meine persönliche Arbeit ist eher, die Leute darauf zu bringen, dass es mehr gibt als sportliches Training. Es geht mir um das Bewusstsein, wie wichtig Bewegung ist - man kann es als Denkweise oder geistige Haltung beschreiben.


Hast du konkrete Ideen und Tipps, wie man mehr Bewegung in den Alltag bringen kann, besonders mit Kindern?

Ja klar! Wir selbst haben ein kleines Haus und haben fast alle Möbel rausgeworfen. Wir haben zum Beispiel das Sofa durch Kissen ersetzt. Dadurch entsteht mehr Fläche und man hat mehr Platz. Dadurch bewegen sich vor  allem die Kinder automatisch mehr. So muss man auch nicht mehr ständig sagen: “sitz stil!l” oder “sei vorsichtig!”. Die Kinder haben sie einfach mehr Raum, sich gefahrlos zu bewegen.

Kinder sitzen gut auf dem Boden, auf Teppichen oder Matten sogar bequem. Man kann dort viel abwechslungsreicher sitzen als auf einem Stuhl, wo der Oberkörper vom Oberschenkel getragen wird, anstatt aus der Hüfte.

Geht so oft wie möglich raus, in einen Park oder auf einen Spielplatz. Lauft viel, auch wenn es länger dauert als mit dem Auto oder dem Bus oder dazu führt, dass man das Kind ein Stück tragen muss. Ein Garten ist eine tolle Möglichkeit, sich an frischer Luft und mit großer Abwechslung zu bewegen.

Wenn man die Möglichkeit hat kann man natürlich eine Kletterwand oder eine Stange an Wand oder Decke installieren, an der die Kinder hangeln. Aber auch hier geht es mehr darum, darauf zu achten, dass diese Bewegung selbstverständlich ist und in den Alltag integriert wird.


Wir sind begeistert, fühlen uns inspiriert und sagen vielen Dank Katy!

Run wild! Natürlich :)

Mehr über Katy und Nutritious Movement erfahrt ihr auf ihrer Website Nutritious Movement

2 Kommentare

  • Geposted am von yule

    Hi Diane,
    I don’t know, if you have already found it, but if you didn’t:
    On top of the page you will find the letters DE/EN. Click on EN and you can read the article in English.

    btw. I can recommend Duolingo and/or Memrise. Very good for learning languages in isolated places. ;)

  • Geposted am von Diane Soffe

    I know it’s terrible that I can only speak one language, but this looks so interesting. I’d love to read it. Is there an English translation anywhere? We New Zealanders are very mono lingual – too isolated down here!

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