Versandkostenfrei ab 200 €. Erste Retoure ebenfalls kostenfrei. MEHR

Zu Fuß von Deutschland nach Lettland

Obwohl die Tage langsam wieder länger werden, beschert der Winter uns weiter kalte Nächte und eisigen Wind. Da braucht es schon mal etwas mehr Überwindung, zum langen Sonntagsspaziergang aufzubrechen, der am Ende dann doch wieder so gut tut. Warm einpacken ist also angesagt! Das sah bei Witali noch anders aus, als er sich im Sommer auf den Weg gemacht hat. Und auch beim Sonntagsspaziergang blieb es nicht…

Eigentlich hieß das Projekt, das ich eigentlich im April letzten Jahres starten wollte, 1.000 km Pause. Eigentlich wären es genaugenommen keine 1.000 km, sondern 1.800 km auf meinem Weg zu Fuß von Einbeck nach Riga gewesen. Eigentlich war mein Vor-Coronaplan von Köln nach Edinburgh zu laufen und eigentlich wollte ich letztes Jahr so vieles machen, was dann doch ganz anders wurde.

Ganz schön viel eigentlich, oder? Aber für mich ist es genau das, was dieses Jahr ganz gut zusammenfasst.

Wildling MinimalschuhFoto: Witali Bytschkow

Wir starten mal am Anfang

Vorletztes Jahr schrieb ich hier, wie ich auf meinen Touren zu Fuß durch Europa mehr barfuß unterwegs sein wollte. Denn eines meiner Lebensprojekte ist es, irgendwann Europa komplett zu Fuß umrundet zu haben. Immerhin habe ich schon 5.300 km von den ca. 15.000 km hinter mir. Dieses Projekt wollte ich im April um die Strecke Köln - Edinburgh erweitern.

Als es dann aufgrund von Corona etwas unklarer wurde, ob loslaufen eine gute Idee ist, musste ich kurzfristig umdisponieren.
Meine neue Strecke sollte von Einbeck, der Mitte Deutschlands, nach Riga, die lettische Hauptstadt führen. Die Tour startete am 4. Juli.

Diesmal bin ich 2 Dinge anders angegangen, als bei meinen letzten Touren (4.300 km durch Norwegen, Schweden, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Spanien und Portugal). Ich habe diesmal das Barfußlaufen eingebaut und war offen für Wegbegleiter:innen. Gerade diese Freiheit ist ein ganz wesentlicher Teil einer solchen Tour: frei zu sein von zu viel Ballast und Gepäck, aber auch frei zu sein von der Notwendigkeit einer speziellen Ausrüstung. Auch bezüglich der Begleitung ließ ich es darauf ankommen, wer wann und wo dazustößt. Immerhin begleiteten mich bis zum Ende der Tour 21 Menschen.

Barfuß unterwegs

Ich hatte drei verschiedene Paar Schuhe dabei: Ein Paar flache Wanderschuhe, meine Wildlinge und meine körpereigenen Schuhe, die Füße. Immer öfter versuchte ich eine Strecke barfuß hinter mich zu bringen, wodurch ich Füßen, Körper und dem Laufen an sich noch mehr Aufmerksamkeit schenkte. Ließen es Untergrund oder Hitze nicht zu, kamen die Minimalschuhe zum Einsatz, bei Dauerregen und Geröll auf dem Weg die Wanderschuhe. Es bleibt ein Rantasten und ein stetiger Prozess. Dieses Dreigestirn sollte sich aber bei meiner Tour als recht erfolgreiche Kombi herausstellen.

Morgens entschied ich mich, mit welchem Paar ich startete und wechselte dann munter durch, je nach Untergrund und Laune.

Wildling MinimalschuhFoto: Witali Bytschkow

Zu Fuß durch Deutschland

Die Strecke führte von Einbeck durch den Nationalpark Harz, über den 1.141 Meter hohen Brocken, kurz auf dem Kolonnenweg über die ehemalige DDR / BRD Grenze nach Magdeburg. Umgeben von Feldern rund um Magdeburg ging es durch Kiefernwälder auf Sandböden Richtung Berlin. Vorteil ist, dass der durchgehende Sandboden wie ein Himmelbett für die Füße ist. Nachteil im Sommer ist, dass der Sand teilweise so heiß war, dass jeder Schritt schnell gesetzt werden musste, sonst hätte es Brandblasen gegeben. Wenn es dann doch zu heiß wurde, kamen meine luftigen Wildling Tanukis als Schutz zum Einsatz.

Nach ca. 300 km kam ich in Berlin an. Wenn man 300 km hinter sich hat und dann plötzlich durch die fast 4 Millionen Einwohner Stadt flaniert, dann wirken das rege Treiben und die Hektik der Stadt so unwirklich. Alles rauscht an einem vorbei und man selbst fühlt sich, als würde man von oben auf einen Ameisenhaufen voller Leben und Getümmel schauen. Dieses Bild machte mich aus irgendeinem Grund sehr glücklich, da ich in tiefer Dankbarkeit war einfach meinen Weg gehen zu können.

Passender könnte “flanieren” hier auch nicht sein, weil ich ohne ein bestimmtes Ziel langsam umhergeschlendert bin. Zwar hatte ich das Ziel, Berlin von West nach Ost zu durchkreuzen, was immerhin fast 3 Tage zu Fuß dauerte, aber dabei hatte ich auch die Zeit zum Beobachten und den hektischen Alltag loszulassen.

Wildling MinimalschuhFoto: Witali Bytschkow

Zu Fuß durch Polen

Von Berlin ging es nach Frankfurt (Oder) über die Grenze nach Polen. Und obwohl ich weder die Küste im Norden, noch die Berge im Süden gesehen habe, bin ich schon nach den 600 km durch die Mitte des Landes absolut begeistert: Historische Altstädte mit einer vibrierenden Dynamik aus künstlerischen Cafés und Bars geben den polnischen Städten eine einmalige Atmosphäre. Innerhalb der Landschaft reihen sich etliche Seen aneinander, die nur durch dichten Kiefernwald zu erreichen sind. Die stille Schönheit der Natur hat mich beeindruckt! Aber zuvor musste ich mich erstmal an die Monotonie der Kiefernwälder gewöhnen.

Obwohl der sandige Untergrund zum Barfußgehen auch bei unseren Nachbarn perfekt war, gab es jedoch einen kleinen Haken. Da es bereits so früh im Jahr ziemlich warm war, gab es besonders viele Stechmücken und es gibt nichts unangenehmeres als einen zerstochenen Fuß. Aus Schutz vor den Mücken musste ich meine Füße also wieder in geschlossene Schuhe stecken.

Nachdem ich die polnischen Kiefernwälder schon ganz gut kennengelernt hatte und die sehenswerten Städte Poznań, Bydgoszcz und Toruń erkundet hatte, kippte recht plötzlich die Corona Situation. Zuvor hatte Polen einen eher milden Verlauf, doch das änderte sich Anfang August. Der Grenzübergang nach Litauen wurde mit einer 14 tägigen Quarantäne eingeschränkt und es wurde immer klarer, dass die Tour zu diesem Zeitpunkt nicht zu Ende geführt werden konnte.

Wildling Minimalschuh
Foto: Witali Bytschkow

Kurz vor den Masuren entschloss ich mich dann, den Heimweg anzutreten. Es fühlte sich nicht mehr richtig an, weiter zu laufen und so beendete ich die Tour nach exakt 1.000 km.

Zusammenfassend waren es recht wilde 1.000 km, durch sehr unbewohnte Teile Deutschlands und Polens.

Jetzt habe ich aber noch den wohl spannendsten Teil Polens vor mir. Ich habe auf meinem Weg schon so viel von den Masuren erzählt bekommen. Zudem freue ich mich sehr auf Litauen und Lettland. Möglicherweise geht die Tour 2021 weiter. Die Füße kribbeln schon.


Vielen Dank für deinen spannenden Reisebericht, Witali!

Wer gerne mehr über Witalis Touren erfahren möchte, kann am 07.02.2021 per Livestream seinem Vortrag 5.300 km zu Fuß durch Europa lauschen. Auf seinen geführten, achtsamen Wanderungen kann das Barfußlaufen in Verbindung zur Natur sogar selbst erlebt werden. Mehr Infos dazu finden sich auf der Homepage zu Walkaboutyou.

 

Titelfoto: Witali Bytschkow

Search

    Cookie-Einstellungen bearbeiten.
    Deutsch