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Wo die wilden Bienen leben

Auf ihrem Blog Mehr als Grünzeug widmet sich unsere liebe Freundin und Autorin Jenni der Frage, wie wir nachhaltiger leben und die Welt ein kleines bisschen besser hinterlassen können, als wir sie vorgefunden haben. Heute nimmt sie uns auf dem Wildling Blog mit in die Welt der Bienen.

 

Bienen sind in Deutschland Symbolträgerinnen für den Verlust an Biodiversität (und damit auch für die Klimakrise) geworden. Was macht diese Tiere so besonders – und wie können wir sie schützen?

Ohne Bienen wäre unsere Welt eine andere. Wie anders sie wäre, beginnen wir gerade erst zu begreifen, während wir bereits mitten im sechsten großen Artensterben dieses Planeten leben – diesmal vom Menschen verursacht. Rund 28% aller bekannten Tier- und Pflanzenarten gelten derzeit als vom Aussterben bedroht, stetig kommen neue dazu, ein Ende ist nicht in Sicht.

Oft wird der Eindruck erweckt, bei der größten Herausforderung dieses Jahrhunderts handle es sich um die Klimakrise. Das ist richtig, aber nicht ganz: Die Klimakrise hängt mit einer Vielzahl an weiteren Krisen zusammen, die wir gerade erleben oder die noch auf uns zukommen können. Darunter natürlich die Corona-Krise sowie die steigende Gefahr von häufiger werdenden Pandemien, weil der Lebensraum von Wildtieren immer kleiner und Zoonosen damit wahrscheinlicher werden. Auch soziale und wirtschaftliche Krisen werden sich mit fortschreitender Erderhitzung verschärfen – genauso wie die Krise, in der die Artenvielfalt unseres Planeten steckt.

Um ein viel zitiertes Bild aufzugreifen: Nicht nur das Haus brennt, das gesamte Dorf steht in Flammen. Und wie der Eisbär auf der Scholle zum weltweiten Symbol für die Klimakrise, so ist ein kleines Insekt in Deutschland zum Sinnbild für Biodiversität geworden: die Biene.

Biene ist nicht gleich Biene

Wenn wir von „Bienen“ sprechen, meinen wir damit in der Regel Apis mellifera, die gemeine Honigbiene, die wir von zahlreichen Zeichnungen, Animationen und Fotos kennen und die uns vor allem in den letzten Jahren ans Herz gewachsen ist. Sie ist aber bei weitem nicht die einzige Bienenart. Grob wird zwischen Honig- und Wildbienen unterschieden – wobei diese Differenzierung keine biologische Relevanz hat, sondern nur existiert, um zu sagen: „Es gibt noch mehr Bienenarten außer der domestizierten Honigbiene.“

Wildling Minimalschuh Biodiversität
Foto: Mehr als Grünzeug

Imker:innen wissen, dass auch Honigbienen keine Kuscheltiere sind und im gewissen Sinne immer wild bleiben werden – doch es gibt trotzdem Unterschiede zwischen ihnen und den Wildbienenarten. Unter den wilden Bienen gibt es beispielsweise viele Arten, die solitär (also nicht in Gemeinschaften) und am Boden leben. Sie produzieren nicht so viel Honig wie die Honigbiene, sind aber viel effektivere Bestäuberinnen: Die Natur kommt ohne die Honigbiene – die heute eine Hochzuchtrasse ist – aus, aber nicht ohne Wildbienen. Von den 560 Wildbienenarten, die in Deutschland leben, steht knapp die Hälfte auf der roten Liste der gefährdeten Arten.

Tatsächlich gibt es Hinweise darauf, dass zu viel Honigbienen-Population schädlich für die Wildbienen ist – unter anderem wegen des zahlenmäßigen Vorteils, aber auch, weil die Honigbiene nicht auf bestimmte Futterquellen spezialisiert ist. Das ist bei Wildbienen anders: Einige Arten sind mit „ihrer“ Pflanze wie der Schlüssel mit dem Schloss verbunden – beide Seiten profitieren von der Existenz der jeweils anderen Art und nur diese eine Pflanze kann die spezielle Wildbienenart ernähren. Insbesondere vor dem Hintergrund von zunehmenden Ackerland-Wüsten ist das eine prekäre Ausgangssituation. Wildbienen vermehren sich außerdem viel langsamer als Honigbienen und sind besonders anfällig für die von den Honigbienen verbreiteten Krankheiten. Der Nabu fordert unter anderem deshalb einen Mindestabstand von Honigbienen-Stöcken zu Naturschutzgebieten von mindestens 1,5 Kilometern – was auch durch die neuere Wissenschaft gedeckt wird.

Wildbienen (zu denen auch Hummeln gehören) benötigen also unsere besondere Aufmerksamkeit – das bedeutet aber nicht, dass Honigbienen in unseren Schutzbemühungen zu vernachlässigen wären. Wenn wir danach fragen, was wir konkret tun können, müssen wir nur geringfügig zwischen Honig- und Wildbiene unterscheiden. Grundsätzlich gilt: Was der Honigbiene dienlich ist, ist auch gut für ihre wilden Verwandten (und für zahlreiche andere Tierarten).

Was leistet die Biene für uns?

Die Rede von der fleißigen Biene hat durchaus ihre Berechtigung: Bis sie den Nektar für die Produktion eines halben Kilo Honigs zusammen gesammelt hat, hat eine Biene rund 10 Millionen Pflanzen besucht – und gleichzeitig Pollen von Blüte zu Blüte getragen. Bienen leisten (zusammen mit anderen Insekten) eine gewaltige Bestäubungsleistung, auf die vor allem unsere Landwirtschaft und damit unsere Supermarktregale angewiesen sind.

Wir könnten sicherlich ohne Bienen überleben, aber das Leben wäre ein weitaus eintönigeres und wir würden sehr, sehr oft ungesüßten Haferschleim essen müssen: Tierische Bestäuber sind für den Fortpflanzungserfolg von 88% der Blütenpflanzen weltweit notwendig und tragen zum Ertrag und zur Qualität vieler Nutzpflanzen, vor allem von Obst und Gemüse, bei. Die Honigbiene ergänzt die Arbeit der wild lebenden Bestäuber um einen eigenen Anteil von 30-50%.

Wildling Minimalschuh Biodiversität
Foto: Mehr als Grünzeug

Die Wildbienen allein leisten bereits zwischen 15% und 30% der Bestäubungsarbeit für die Lebensmittel, die in der US-amerikanischen Ernährung vorkommen. Dazu gehören Nüsse, Getreide, Früchte, Gemüse, Öle und indirekt auch tierische Produkte (denn die Tiere werden mit insektenbestäubtem Futter aufgezogen). Insgesamt erhöhen bestäubende Insekten auch den Ertrag von Nutzpflanzen, die nicht einzig auf ihre Hilfe angewiesen sind, deutlich und tragen so zu 35% der globalen Lebensmittelproduktion bei.

„In Weltmarktpreisen ausgedrückt, schafft die Bestäubung [nicht nur von Bienen; Anm. d. A.] einen Wert zwischen 250 und 600 Milliarden Euro pro Jahr“, sagt Josef Settele, einer der Autoren des derzeitigen Gobalen Zustandsberichts des Weltbiodiversitätsrates (IPBES 2019). Zwar ist es fraglich, ob ein Preisetikett der richtige Weg ist, um zum Schutz von Tierarten, Umwelt und Klima und damit für den Fortbestand unserer eigenen Art zu argumentieren (setzen wir damit nicht eigentlich genau jene Argumentation fort, die uns eigentlich in dieses Dilemma gebracht hat?) und zugleich lassen sich Ökosystemleistungen nur schwer berechnen. Allerdings mögen viele Menschen Zahlen, weil sie komplexere Sachverhalte einfacher einordbar erscheinen lassen – und alles, was hilft, um Aufmerksamkeit auf den massiven Verlust zu lenken, den wir erleiden, wenn die Biene (= die meisten Arten) von der Erde verschwunden sein werden, ist erstmal nützlich. Wenngleich unser übergeordnetes Ziel eine neue Ethik gegenüber der Natur sein sollte.

 

Neugierig auf mehr? Was der Biene aktuell das Leben schwer macht und wie wir ihr schon mit kleinen Handlungen im Alltag helfen können, verrät Jenni in diesem Artikel.

 

Titelfoto: Mehr als Grünzeug

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