Eine große Motivation für Wildling ist ein winziges Stück dazu beizutragen, Kindern ihre “Wildheit” bewahren zu können. Dazu gehört aber sehr vieles. Melanie aus dem Marketing hat sich mal ein paar Gedanken dazu gemacht:


Die Sonne steht tief über dem kleinen See im Stadtpark. Es ist spät und die meisten Kinder sind mit ihren Familien bereits nach Hause gegangen. Warm ist es immer noch. 27 Grad, mitten im April.

Eine kleine Horde von Kindern tobt noch über den Spielplatz. Die Wasserpumpe ist im Dauereinsatz und je mehr Wasser durch das Auffanggitter fließt, desto länger wird das Rinnsal am Boden, bis es sich in einen kleinen Bach verwandelt. In diesem Bach sitzen meine Kinder, nackt und bis zum Hals im Matsch. Sie bauen aus nassen Erdklumpen Staudämme, bespritzen sich mit dem kalten Wasser, bilden Gräben, damit sich das Wasser teilt und um den kleinen Hügel fließen kann.

Foto by Maria Herzog Fotografie

Foto: herzogfotografie

Ich sitze mit anderen Eltern auf einer Decke und beobachte diesen Inbegriff von Paradies aus einigem Abstand. Wir wohnen in einer Großstadt. Dieser Park ist dem, was man Natur nennt, am nächsten, jedenfalls in einem Umkreis von 5 Kilometern. Und dieser Abend im Park kommt dem am nächsten, was man in dem Satz “es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen” unter “Dorf” versteht. Erwachsene, Kinder, alle bunt durcheinander. Mitgebrachtes Essen liegt in Dosen und Schüsseln auf den Decken, wer Hunger hat, bedient sich einfach. Die Kinder nehmen uns Erwachsene kaum noch wahr, sind einfach ins Spiel vertieft, wirken so frei.

Und doch ist diese “Freiheit” begrenzt. Räumlich - außer Sichtweite sollen sie sich nicht bewegen. Und zeitlich - morgen früh geht halt die Schule wieder los und übermüdete Kinder sind abends anstrengend, morgens mies gelaunt und eine Qual.

Mein Erstklässler wird “bewundert”, weil er alleine zur Schule geht. Luftlinie sind das keine 500 Meter. Ein Zebrastreifen und eine verengte Straße mit 30er Zone liegen dazwischen.

Ich denke an meinen Schulweg zurück. Daran, dass wir einfach immer draußen waren. Dass mein Schulweg viel länger war.

Und an die Geschichte, die auf Familienfeiern immer wieder von mir erzählt wird: Dass ich mit fünf meine Nachbarin dazu angestiftet habe, eine Fahrradtour zu meinen Großeltern zu machen. Meine Mutter, die uns im Garten spielend wähnte, bekam davon nichts mit. Erst als mein Großvater sie anrief und fragte, ob sie wüsste, wo ihre Tochter sei, fiel ihr meine Abwesenheit auf.

Maria Herzog Fotografie

Foto: herzogfotografie

Wir sind drei Kilometer mit dem Fahrrad gefahren. Ohne Helm natürlich, es waren die 80er. Vorbei an Hauptverkehrsstraßen. Für uns war es ein Abenteuer, Freiheit, eine Entdeckungstour. Für meine Mutter vermutlich ein Albtraum. Aber ich glaube, an diesem Abenteuer bin ich ein Stück gewachsen.

Was heißt das für meine Kinder? Ich wünsche ihnen eine wilde, freie Kindheit. Aber macht es Sinn, mit dem Auto in ein Naturschutzgebiet zu fahren, um ihnen dort “Natur” zu zeigen? Sie in den Ferien in Wildniscamps zu stecken?

Muss ich für diese Freiheit aufs Land ziehen? Ich habe viele Fragen. Aber der Abend im Park ist ein Anfang. Müde und abgekämpft, immer noch nackt und matschig schwingen die Kinder sich auf ihre Lauf- und Fahrräder (und tragen natürlich einen Helm!), wir fahren nach Hause und treffen auf dem Weg eine ältere Frau, die uns fröhlich anlacht und sagt, wie schön es sei, auch noch Kinder zu sehen, die einfach mal wild sein dürften.

Wie wild dürfen eure Kinder sein? Und wie unterstützt ihr sie dabei?



3 Kommentare

  • Geposted am von Mrina

    Mir kamen gerade beim Lesen die Tränen. Wundervoll geschrieben. Mein Kind ist mittlerweile groß, aber ich wünsche mir genau dieses Gefühl von Wildsein und Freiheit an die Kinder in meinem Job weiter zu tragen. Manchmal zum Leidwesen der KollegInnen.

  • Geposted am von Vanessa

    Einfach nur schön diese Zeilen lesen zu dürfen. Vielen Dank dafür ♡
    Für mich ist das Tragen eurer Wildlinge eine Philosophie, eine Lebensart zu der ich mich bekannt haben (inkl. meiner Familie).

  • Geposted am von Steph

    Ja, wir wohnen noch da, wo alles grün ist, der Storch an unserem Fenster vorbei segelt und wir tatsächlich einen langen Schulweg nur durchwand und Felt haben, und ich bin so dankbar dafür, gerade wider beim lesen Deines Beitrags….Ich fühle mich als Mama euch so nah auch wir versuchen mit :bEL unsere Kinder ein Bischen wilder sein zu lassen….und uns auch! Ich will so gerne eure Schuhe zu unserer Mode testen und bin kurz davor einfach zu bestellen :-)! Ich finde eure Arbeit großartig und wünsche mir mehr davon! Die Grössentabellen sind schon ausgedruckt und wenn alle Kinder probiert haben, probiere ich eure Schuhe … Vielleicht habt ihr mal Lust bei uns vorbeizuschauen www.belstore.de…wir sind ein ganz kleiner handarbeitsshop :-)! Herzliche Grüße

Hinterlasse einen Kommentar

Alle Blog-Kommentare werden vor Veröffentlichung überprüft