Nachlieferungen der neuen Winterkollektion im Laufe der Saison. Infos und Hilfe für die Schuhpflege im Winter gibt es hier.

Wie vegan ist eigentlich "vegan"?

Seit 2019 gibt es im Fuchsbau ein eigenes CSR (Corporate Social Responsibility) Team, das sich die gesellschaftliche Verantwortung von Wildling als nachhaltig wirtschaftendes Unternehmen auf die Fahne geschrieben hat. Inzwischen hat das Team deutlich Fahrt aufgenommen und öffnet ganz neue Türen, um unseren minimalistischen Fußabdruck noch weiter zu verringern. So kann jetzt zum Beispiel im Bereich Nachhaltigkeit entlang der Lieferkette noch tiefer gebohrt und geforscht werden.

Als die Überlegung aufkam, ob wir eine Vegan-Zertifizierung für Wildlinge haben wollen, folgten von den CSR Füchs_innen deshalb erst einmal ganz viele weiterführende Fragen, die nicht nur innerhalb Wildlings einiges angestoßen haben. Da waren zum Einen viele Fragezeichen, was die rechtliche Lage angeht, denn wir wussten zu dem Zeitpunkt noch nicht, welche genauen Bestimmungen oder Regelungen es gibt. Noch viel wichtiger war aber die Frage, wie wir unseren Anspruch und den unserer Kundschaft gemeinsam definieren wollen. Denn was hilft es, wenn man etwas (rechtlich) als vegan bezeichnen darf, wenn wir das aber so eigentlich nicht vertreten möchten?

“Welche Kriterien müssen für eine Zertifizierung erfüllt sein?”

Anna-Maria ist im CSR Team für Wildlings nachhaltige Lieferkette verantwortlich und eine der ersten Fragen, die ihr in den Sinn kamen, war: “Welche Standards brauchen wir denn eigentlich, um unsere Minimalschuhe als vegan bezeichnen zu können?” Diese hat sie unserer unabhängigen Prüfstelle weitergeleitet.

Bisher haben wir unsere Schuhe nämlich ganz bewusst nicht als “vegan” deklariert - auch wenn sie keine Wolle enthalten - sondern den, zugegeben etwas unhandlichen, Begriff “ohne Materialien tierischen Ursprungs” verwendet. Dieser Zungenbrecher hat aber seinen Grund, denn bisher wussten wir einfach nicht, ob ein Produkt auch dann noch als vegan bezeichnet werden darf, wenn beispielsweise einer unserer Zulieferer Hilfsstoffe tierischen Ursprungs verwendet, zum Beispiel in Form von Schmiermitteln für Produktionsmaschinen.

Die Rückmeldung des Prüfinstituts gab dann Entwarnung: So weit in die Tiefe müssten die Angaben gar nicht gehen, da für eine Vegan-Zertifizierung lediglich das Endprodukt getestet würde und solche Hilfsstoffe meist gar nicht oder nur in Spuren darin nachgewiesen werden könnten.

Foto: Dewi Koomen Fotografie

Vegane Wildlinge ...

Dieser Nachricht schloss sich dann aber direkt die nächste Frage an: “Wie sinnvoll ist es denn dann überhaupt, eine Zertifizierung zu beantragen, wenn es am Ende sowieso nur auf die im Schuh verwendeten Stoffe ankommt, von denen wir ja wissen, dass sie nicht tierischen Ursprungs sind?”

Und so kam es, dass wir uns nach einigem Abwägen dazu entschieden, kein Siegel zu beantragen, sondern damit anzufangen die neuen Herbst-/Wintermodelle ohne Wollanteil im Shop als vegan zu bezeichnen.

So ganz ließ das Thema Anna-Maria aber keine Ruhe und sie nahm Kontakt mit all unseren Lieferanten auf, um nachzuhaken, ob auch wirklich nichts Tierisches in ihren Stoffen verwendet wurde. Sie rechnete zwar nicht damit, dass dabei etwas zum Vorschein kommen würde, aber: Sicher ist sicher.

… oder doch nicht?

Tatsächlich meldete sich einige Tage später der Hersteller unserer EVA-Einlegesohlen mit der Nachricht, dass bei deren Produktion ein tierisches Fett zum Einsatz kommt. Glücklicherweise zerstreute sich die Befürchtung, dass dieses Material direkt in die Sohle eingearbeitet wird, recht schnell und Anna-Marias Kontaktperson teilte uns mit, dass es sich dabei lediglich um einen Hilfsstoff handele. Der eine oder die andere hat das Aufatmen im Fuchsbau vielleicht sogar gehört ...

Kurze Zeit später rief dann einer unserer Partnerbetriebe für Baumwollstoffe an, mit der Frage: “Wie vegan ist denn eigentlich vegan?” und teilte uns mit, dass wir mit unseren Nachfragen dort für rege Diskussionen und weitere Nachforschungsarbeit gesorgt hatten. Tatsächlich hatte noch keines der Unternehmen, die dieser Betrieb beliefert, nach einer komplett veganen Lieferkette gefragt und dementsprechend wurden sich darüber bisher keine Gedanken macht, denn natürlich liegt es erst einmal nahe, anzunehmen, Baumwolle sei von sich aus vegan. Wir wären aber nicht Wildling, wenn wir uns so einfach mit dieser Annahme zufrieden geben würden.

Foto: _wildundwunderbar_

Chancen für Veränderungen

Was im ersten Moment große Verunsicherung mit sich bringt, ist aber gleichzeitig auch eine weitere Möglichkeit, gemeinsam etwas zu bewegen. So suchen wir gerade mit dem Produktionsbetrieb unserer EVA-Sohle nach einer veganen Alternative für den verwendeten Hilfsstoff oder einer Möglichkeit, ganz auf ihn zu verzichten.

Durch die (Wo)manpower im CSR-Team ist es möglich, dass wir ab jetzt noch genauer hinsehen, Fragen stellen und Veränderungen zum Positiven anstoßen. Und auch wenn das erst einmal für Fragezeichen sorgt, liegt darin gleichzeitig ein riesiges Potential, um nicht nur Füße zu bewegen, sondern eben auch andere Menschen.

Der Wildling Onlineshop wird sich vorerst weiterhin mit unserem inzwischen schon fast liebgewonnen “ohne Materialien tierischen Ursprungs” zufrieden geben, während wir genau das Gegenteil tun und daran arbeiten, noch mehr Transparenz zu schaffen.



Run wild!

Anna, Ran und die Wildlinge

 

Titelfoto: @jasminalozar_photographer

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