Der Wald tut uns gut. Das wissen wir ganz intuitiv -  und können gar nicht so genau beschreiben, warum das eigentlich so ist. Nach einem ausgedehnten Waldspaziergang, einer Wanderung oder einem Picknick auf einer moosbedeckten Lichtung fühlen wir uns einfach entspannt und ausgeglichen. Es mag das Gefühl entstehen, dass sich die Ruhe des Waldes auf uns überträgt.

Was sagt die Wissenschaft?

Zeit im Wald zu verbringen wird in Japan dabei schon seit Anfang der 1980er als eine Art medizinische Therapie erforscht. Das sogenannte “Shinrin Yoku”-  oder auch Waldbaden genannt - arbeitet mit Erkenntnissen wissenschaftlicher Studien, die zeigen, wie der Wald positiv auf unseren Körper wirken kann. Mittlerweile findet das Waldbaden auch hierzulande Einzug in viele Medien und das Interesse an der besonderen Wirkung des Waldes steigt. So berichtet etwa “Zeit Wissen”, dass die Forschungsergebnisse aus Japan nun auch von deutschen und österreichischen Wissenschaftlern in unseren heimischen Wäldern erforscht werden.  

Im Buch “Der Biophilia Effekt” von Clemens G. Arvay erfährt man zum Beispiel, dass unser Immunsystem in der Lage ist mit der Außenwelt und damit auch mit Pflanzen und Bäumen zu “kommunizieren”. Damit ist natürlich kein flottes Pläuschen am Wegesrand gemeint - dennoch gibt es laut Arvay eine bestimmte Sinnesebene, die unser Immunsystem auf unterbewusste Weise mit der Umwelt verbindet. So soll Waldbaden Stress und Blutdruck senken können, Puls und Cortisolspiegel regulieren und die Produktion von Killerzellen fördern. Auch die New York Times berichtet über diese Studienergebnisse, kommt jedoch am Ende zu der Auffassung, dass die Wissenschaft immer noch einige Lücken zu schließen habe, wir mit unserem intuitiven Gefühl jedoch ganz richtig lägen und deutlich mehr Zeit im Wald verbringen sollten. Studien belegen sogar, dass bereits der Anblick eines Naturfotos die Blutwerte verbessern kann.

Ein Ausflug in den Wald

Gesagt, getan: Mit der Unterstützung von Angela Leser, die ausgebildete Geomantin und Wald-Coach ist, wollte Team Wildling wissen, wie sich die Theorie des Waldbadens in der Praxis anfühlt. Also treffen wir uns mit Angela in einem kleinen Waldstück nahe der Kölner Innenstadt - und das hat seinen Grund: “Gerade für Menschen, die in der Stadt leben, kann so eine kleine Pause im Grünen sehr wertvoll sein. Es muss also nicht immer der weit entfernte Naturwald sein. Dieser hat natürlich noch mal eine intensivere Wirkung auf uns, aber gerade in stressigen Zeiten tut es auch ein angelegter Wald oder Park, um einige Zeit Ruhe zu finden und die Natur zu genießen”, erklärt Angela.

Was wir während unseres kleinen Ausflugs lernen, geht im Gegensatz zum reinen Waldbaden noch etwas mehr in die Tiefe. “Geomanten entdecken anhand des Wachstums von Bäumen und deren Beschaffenheit besonders kraftvolle Orte, die viel Energie spenden”, so Angela. Baum ist also nicht gleich Baum, wie wir an diesem Tag erfahren.

Mit viel Forscher- und Entdeckergeist spazieren wir durch den Wald und schauen uns die verschiedenen Baumarten im Detail an. Haben die Bäume viele Verzweigungen und Verästelungen? Stehen sie eher alleine oder in Gesellschaft anderer Bäume? Haben wir eine Buche, Ahorn oder Esche vor uns? Anhand dieser Fragen und mit einem offenen Blick kann Angela erkennen, welche Plätze im Wald zum Beispiel besonders Ruhe spendend sind oder einen guten Ort für Inspiration darstellen.

Wir lassen uns an verschiedenen Bäumen nieder und genießen die angenehm kühle und ruhige Stimmung im Wald. Wir beobachten die Entenfamilie, die vor uns im Wasser badet und lauschen dem sommerlichen 

Vogelgezwitscher. Auch die Kinder, die unsere Tour begleiten, finden Spaß an der neuen Art den Wald zu entdecken.

Manch einer mag sich nun fragen, wie genau sich das Waldbaden denn nun von einem üblichen Waldspaziergang unterscheidet. Wir haben auf jeden Fall das Gefühl gewonnen, dass es vor allem darum geht, die Zeit im Wald bewusster zu verbringen. Es geht weniger um die reine Bewegung in der Natur als vielmehr darum, Neues zu entdecken, zu beobachten, was abseits der Wege passiert und die Ruhe und Kraft des Waldes für einen Moment auf zu saugen.

Habt ihr schonmal den Begriff "Baden"mit Wald in Verbindung gebracht?

Run Wild - Anna, Ran und Team Wildling

Titelbild von Wimmelkinder