Nachlieferungen der neuen Winterkollektion im Laufe der Saison. Infos und Hilfe für die Schuhpflege im Winter gibt es hier.

Isa Konga - Yogabekleidung mit Geschichte

Was bewegt dich? Diese Frage stellen wir Menschen, die Steine ins Rollen bringen und die Welt ein bisschen besser machen. Die Ideen vorantreiben, die Neues wagen und andere Wege gehen.


Unternehmerin, Mutter, Model, Maschinenbaustudentin, Yogalehrerin - Isa Konga übt in ihrem Leben viele Rollen aus, vor allem ist sie aber eines: eine Macherin. 2018 gründete sie mit Yoga Konga ihr eigenes Label für Yogabekleidung, da sie unter den bestehenden Marken nichts fand, das ihren Ansprüchen gerecht wurde. (Wer die Gründungsgeschichte von Wildling kennt, hat an dieser Stelle eventuell eine Art Déjà vu.)

Wir treffen Isa per Videocall in ihrem eigenen Zuhause und plaudern bei Tee und Pasta über ihre Gründungsgeschichte, über den Mut, Fehler zu machen und über Glaubenssätze, die wir dringend über Bord werfen dürfen.

Einfach (selber) machen

“Ich wollte gerne Yogakleidung haben, die in Richtung African Print geht, habe aber nichts gefunden und dachte mir: “Okay, dann machst du das halt selber.”
Das besondere an meinem Unternehmen ist, dass ich mich damit auf das afrikanische Yoga, das Smai Tawi, spezialisiert habe und die Kleidung auch so gestaltet habe, dass sie diese afrikanischen Wurzeln widerspiegelt.

Am Anfang hatte ich die Designs noch ganz anders im Kopf und bin dann eher dahin gekommen, dass ich wirklich traditionell afrikanische Stoffe als Grundlage nehmen möchte. Dieses African Print hat seine Ursprünge nämlich eigentlich gar nicht in Afrika, sondern in Holland und auch wenn es inzwischen Teil der Kultur ist, wollte ich lieber etwas Traditionelleres, was früher schon dort war. Eine Freundin schlug dann Tye-Dye vor und das fand ich super! Ich finde es optisch schön und finde auch die Indigo-Pflanze, mit der die Sachen gefärbt werden, total spannend, weil sie auch super viele heilende Eigenschaften und eine interessante Geschichte hat.

Natürlichkeit und faire Bedingungen

Mir ist es wichtig, dass meine Produkte möglichst natürlich sind, um die Umwelt nicht noch mehr zu belasten, als sie eh schon ist, und ein Produkt zu haben, das auch lange hält und sich gut auf der Haut anfühlt. Ich mag z.B. das Gefühl von Sportkleidung aus Polyester, auch aus recyceltem Polyester, überhaupt nicht. Meine Kleidung ist deshalb aus Bio-Bambus und wird mit Indigo gefärbt.

Ich lasse meine Sachen in Indonesien produzieren, im Unternehmen einer Bekannten, der es auch mega wichtig ist, dass alles natürlich ist, dass die Leute gerecht bezahlt werden, dass sie, auch wenn sie krank sind, bezahlt werden, dass sie normale Arbeitszeiten haben. Ich bin total happy, dass es da für mich so einfach war, direkt jemanden zu finden, wo die Werte übereinstimmen. Gute Connections sind beim Gründen wirklich viel wert.

Raum für Fehler einplanen

Als wir alles fertig für die Produktion der Samples hatten, war ich bei manchen Teilen schon mega zufrieden, wollte aber noch ein paar Änderungen haben, so dass dann nochmal gesamplet wurde. Leider waren die Revision Samples dann einfach mal gar nicht mehr gut, obwohl nur Kleinigkeiten hätten geändert werden müssen. Ich bin echt immer wieder überrascht, wie man sich auch missverstehen kann - also was man sagt und was bei der anderen Person ankommt. Aber ich glaube, das ist etwas, das alle Leute, die gründen, erleben und dass es wichtig ist, dass man als Gründer_in Raum zum Fehlermachen einplant. Dadurch kommt man vielleicht manchmal auch auf Sachen, die man so noch gar nicht auf dem Schirm hatte und entdeckt durch Zufall nochmal neue Möglichkeiten. 

Bei mir war es tatsächlich so, dass dadurch, dass es mit der Kleidung so lange gedauert hat, bei mir die Idee aufkam, noch schnell eine Matte zu machen. Und darüber bin ich total glücklich, weil die Reisematte ein so schönes Produkt ist, weil viele Leute, wenn sie meditieren oder Yoga machen, total gerne auf die Symbole gucken und sich freuen, dass sie damit etwas aus der afrikanischen Kultur zu Hause haben, das in ihrer spirituellen Praxis eine Art Stütze ist. Und das ist einfach nur daraus entstanden, dass es mit den Kleidungssamples nicht so lief wie geplant.



Foto: Isa Konga

Von der Selbstständigkeit zur Unternehmerin

Ich glaube, was hilft, ist, das, was man vor hat, nicht als Gesamtes zu sehen, sondern wirklich einen kleinen Schritt nach dem nächsten zu gehen. Das Wichtigste ist, erstmal ins Tun zu kommen und dann ergeben sich auch einfach ganz viele Möglichkeiten.

Ich glaube, mir fiel es auch deshalb leicht zu gründen, weil ich vorher sowieso schon selbstständig war - seit mittlerweile acht Jahren. Ich habe während meines Studiums super wenig BaföG bekommen und nebenher immer gearbeitet. Dadurch hatte ich aber auch weniger Zeit, Credits im Studium zu sammeln, sodass mir das BAföG irgendwann ganz gestrichen wurde. Ich musste mir also etwas suchen, womit ich mich und meine Tochter ernähren kann und dann hat sich das mit dem Modeln einfach ergeben und ich bin quasi in die Selbstständigkeit reingerutscht. Ich wusste also, worauf ich mich mit der Gründung einlasse.

Lego Technic

Mein Maschinenbaustudium habe ich angefangen, weil ich eigentlich Astrophysik studieren wollte, aber ich war zu dem Zeitpunkt schwanger und dachte mir: “Das ist vielleicht doch etwas kompliziert und anstrengend als Mutter, also mach ich lieber Maschinenbau und kann dann hinterher im Master Luft- und Raumfahrttechnik studieren und bin damit dann wieder in einem ähnlichen Bereich.” Ich hatte schon immer ein großes naturwissenschaftliches Interesse. Als ich klein war und die Frage kam “Was wünschst du dir zum Geburtstag oder zu Weihnachten?”, war die Antwort immer: “Lego Technic!” Das und der Kosmos waren schon immer eine Leidenschaft von mir.

Rückblickend glaub ich aber nicht, dass Maschinenbau wirklich leichter als Astrophysik war. Über die Zeit ist das Studium aber tatsächlich auch eher zu einer Nebensache geworden, weil ich einfach viel Freude am Arbeiten habe und an den Sachen, die mit Yoga zu tun haben. Ich mach es jetzt fertig, weil ich die Energie, die ich da reingesteckt habe, nicht verschwenden möchte, aber wenn ich jetzt noch im ersten Semester wäre, würde ich sagen: “Ganz sicher nicht!”

Weg von alten Glaubenssätzen

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass jede Person, jedes Individuum wieder mehr zu sich findet und sich freimacht von Glaubenssätzen, die einem anerzogen wurden - sei es von den Eltern oder der Gesellschaft -, die einem im Kern gar nicht dienen. Leider reproduziert man die oft auch selber, weil es eben “normal” ist, obwohl man, wenn man drüber nachdenkt, eigentlich gar nicht davon überzeugt ist.

Ich glaube, was in den letzten Wochen passiert ist, war auch für viele weiße Menschen das erste Mal, dass sie sich mit ihrem Weißsein auseinandergesetzt haben, weil vorher war Weißsein halt normal. Was für Konsequenzen das aber für nicht-weiße Personen hat, wurde in dieser Normalität halt nicht beachtet. Deswegen freue ich mich richtig darüber, dass sich Menschen, die sich vorher damit überhaupt nicht beschäftigt haben, genau das jetzt machen. Ich habe auch einige All Lives Matter Posts gesehen. Natürlich zählen alle Leben, aber für mich ist erst “All Lives Matter”, wenn auch wirklich endlich erstmal Schwarze Leben zählen. Dann erst zählen alle.

Auf Spotify habe ich gesehen, dass das Hörbuch “Exit Racism” von Tupoka Ogette so richtig durch die Decke gegangen ist. Das find ich toll, weil darin nochmal klar wird: “Oh wow, wir haben da ja wirklich ein Problem und nur weil das auf mich nicht zutrifft, heißt es nicht, dass es das nicht gibt.” Deswegen fänd ich es so schön, wenn so ein Buch mal in den Schulen gelesen würde.

Es tut sich in diesem Jahr so viel, es passieren krasse Sachen und wenn dazu gehört, dass man sich dem Rassismus entledigt, dann wäre das echt was Gutes.”

Vielen Dank für dieses wundervolle, inspirierende Interview, liebe Isa!

Wer gerne mehr über Isa und ihre Arbeit erfahren möchte, kann ihr und Yoga Konga auf Instagram folgen - tolle Yogabilder sind inklusive.

 

Titelfoto: Isa Konga

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