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Wenn man als kleines Start-up den Schuhmarkt betritt, noch dazu in einem Nischenmarkt wie “Barfußschuhe”, dann wissen immer alle besser, was möglich ist und was nicht, als man selbst.

“Schuhe aus Biostoffen? Könnt ihr vergessen!”

“Ihr wollt in Europa produzieren? Das wird teuer!”

“Den Stoff innen nicht verkleben? Das wird nicht funktionieren!”

Ja, wir mussten uns viel anhören. Aber wir sind uns treu geblieben und haben gerade im Bereich Nachhaltigkeit viel umgesetzt, was andere für unmöglich hielten.

Umso mehr freuen wir uns, dass die #FridaysforFuture Bewegung aktuell so hohe Wellen schlägt und wir haben den Eindruck, dass sich das in vielen Bereichen bemerkbar macht:

Unternehmen, die Nachhaltigkeit in der Produktion und im Vertrieb wollen, werden von Lieferanten und Produzenten nicht mehr belächelt und immer mehr Kund_innen fragen interessiert und hartnäckig genau nach, welche Materialien woher kommen und unter welchen Bedingungen Produkte hergestellt werden.

Dennoch fehlt oft genug die Transparenz, sowohl in der Lieferkette der Materialien und Produkte, als auch in der Kommunikation seitens der Unternehmen mit den Kund_innen.

Und so haben wir gedacht, wir nutzen den Global Strike Day genau dafür: Wir diskutieren virtuell und auch analog mit allen, die Lust haben, die Frage nach unternehmerischer Verantwortung für Umweltschutz und Klimaerwärmung, überlegen gemeinsam, was wir als Unternehmen bereits tun und noch weiter tun können und auch, wo jede_r einzelne anfangen kann, aktiv zu werden.

Am Global Climate Strike for Future, oder auch #GlobalStrikeDay, dem 24. Mai 2019, schloss Wildling Shoes also den Onlinestore und den Lager Shop und öffnete dafür die Türen in Köln, um hinter die Kulissen blicken zu lassen. Via Live Stream nahmen wir alle mit, die sich für Nachhaltigkeit bei Wildling interessieren. 

 

“Weil es von öffentlichem Interesse ist, was Unternehmen für Nachhaltigkeit tun”

Gegen 10 Uhr eröffnete Moderatorin Janine Steeger, auch bekannt als Green Janine, die Veranstaltung. Nachdem die Zuhörenden noch einmal mit in die Wildling Entstehungsgeschichte genommen wurden, erklärte Gründerin Anna, warum wir Themen, wie die Verantwortung für Umwelt und Klima, nun auch öffentlich diskutieren möchten:

“Weil das Fragen sind, die nicht nur für uns als Unternehmen  relevant, sondern auch von gesellschaftlichem Interesse sind. Schließlich macht die Wirtschaft einen großen Teil aus beim Klimawandel.

Und wir freuen uns auch über das Schwarmwissen, das vielleicht zustande kommt, denn manchmal sieht man vor lauter Bäumen ja den Wald nicht mehr”.

Als Nachhaltigkeits-Experten haben wir Stephan Schaller vom CSCP (Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production) in Wuppertal eingeladen. Stephan begleitet normalerweise Unternehmen, die Nachhaltigkeit zum Thema machen und umsetzen wollen. Mit seiner jahrelangen Erfahrung und dem „Blick von außen“ war seine Einschätzung für uns besonders wichtig und hilfreich - wo steht Wildling auf seinem bisherigen Weg in Punkto Nachhaltigkeit und Transparenz? Wo kann es in Zukunft hingehen?

Stephan: “Meine liebste Definition von Nachhaltigkeit ist, dass es um gutes Leben im Einklang mit den vorhandenen, begrenzten Ressourcen geht. Was ist das gute Leben? Oft wird ja Nachhaltigkeit mit Verzicht und Einschränkungen verbunden, dabei kann man das auch mit viel Positivem verbinden. Eure Schuhe vermitteln ja auch Lebensfreude statt Askese. Wie schafft man es also mit positiven Botschaften, viele Leute mitzunehmen? Wo ist weniger wirklich mehr?

Global betrachtet haben wir schon ein gutes Leben, wie schaffen wir es jetzt, weiter gut zu leben, aber mit einem leichteren Fußabdruck? „Im Einklang mit den vorhandenen Ressourcen“ heißt nicht, den Konsum auf Null zu setzen, sondern auf ein vertretbares Maß runter zu schrauben.

Oft fragen wir als Erstes, wie weit das Thema Nachhaltigkeit im Unternehmen selber verbreitet ist, oder ob es von oben aufgedrückt wird. Hier ist Wildling ja schon richtig weit, jedes Team hat das Thema für seinen Arbeitsbereich im Blick. Das fiel mir im Vorfeld schon positiv auf.

Und dann kann man als Nächstes hinschauen, was die speziellen Fragen für Wildling sind und welchen Fokus man setzen will.

Klimaneutralität ist zum Beispiel ein sehr großes, aber nicht das einzige Thema. Biodiversität ist ein anderer wichtiger Punkt. Darum machen wir keine reinen “CO2 Analysen”, weil das Thema Klimaschutz zu komplex ist. Weitere Fragen sind zum Beispiel: Was sind die sozialen Aspekte in der Herstellung und was beeinflusst den Wasserverbrauch? Wo habe ich Ziele, die auf mehrere dieser Punkte bezogen sind? Dann kann man konkrete Schritte gehen und sich die Herausforderungen in der Lieferkette und im Herstellungsprozess ansehen.“

Anna: “Das ist genau der Konflikt, in dem wir uns ständig befinden: Alles gleichzeitig machen wollen ohne sich zu verzetteln sondern lieber Schwerpunkte setzen wie die Nutzung nachhaltiger Materialien. Und trotzdem bei allem nicht die Wirtschaftlichkeit zu vergessen, schließlich habe ich als Unternehmerin auch Verantwortung für die Menschen, die für Wildling arbeiten.”

Janine: “Kannst du denn für Wildling sagen, wo die größten Stellschrauben sind?”

Anna: “Eigentlich betrifft das alle Arbeitsbereiche, aber die größte Wirkung liegt vermutlich bei der Lieferkette und den Materialien. Woher kommen die Produkte und wie werden sie hergestellt? Cradle-to-Cradle oder recyclingfähige Schuhe sind größere Projekte für die Zukunft, aber wir haben schon konkrete Schritte unternommen: Biostoffe auswählen, langfristige Beziehungen mit Lieferanten aufbauen, damit wir auch auf die Materialauswahl und die Arbeitsbedingungen Einfluss nehmen können. Das funktioniert nur mit Planungssicherheit und vertrauensvoller Zusammenarbeit!”

Klimaschutz durch Biodiversität

Marco Scheel von Nordwolle (die Wolle, die wir für das Innenfutter und manchmal auch für das Obermaterial der Wintermodelle verwenden) ist an diesem Tag unser Gast und wirft an dieser Stelle ein: „Ein gutes Beispiel sind hier unsere Pommernschafe: Wir haben bei Nordwolle mit kleinen Schafherden angefangen. Ein weibliches Schaf bekommt pro Jahr ein bis maximal zwei Lämmer. Wenn Wildling sagt, wir wollen nächsten Winter die dreifache Menge an Wolle, dann ist das nicht im nächsten Winter möglich, sondern frühestens im übernächsten. Das ist also ein Wechselspiel, bei dem Zeit, im Sinne von Langfristigkeit und Planbarkeit, ein entscheidender Faktor ist.

Gleichzeitig zählt der Punkt Artenvielfalt in unserer Zusammenarbeit: Wir nehmen Wolle von bedrohten Schafrassen um die Artenvielfalt und damit diese Populationen am Leben zu erhalten. Wenn wir auf Wildling als dauerhaften Abnehmer für die Wolle rechnen können, dann können wir entsprechend planen.“

Im Gespräch über Nachhaltigkeit und Klimaschutz: rechts Gründer Anna & Ran, in der Mitte im Hintergrund Marco von Nordwolle

Nach der allgemeinen Diskussion über Nachhaltigkeit und die Verantwortung von Unternehmen, ging es ins Detail:

An vier verschiedenen Stationen wurde zusammen mit den Expert_innen diskutiert, wo noch Verbesserungspotential bei Wildling schlummert und wo der größte Effekt für Nachhaltigkeit wäre.

Jede_r konnte sich frei durch den Raum bewegen und über die einzelnen Themen austauschen, Ideen sammeln und diskutieren. Anschließend wurden die Ergebnisse vorgestellt und auch im Livestream mit Interessierten geteilt. Wildling wird mit den Ergebnissen weiterarbeiten und sich immer neue Ziele für die Umsetzung vornehmen.

Die nächsten Schritte bei Wildling

An der Station Produkt wurden folgende Punkte diskutiert: In einem Anforderungskatalog für Hersteller und Lieferanten soll transparent und vergleichbar festgehalten werden, was diese mitbringen müssen um als Partner für uns in Frage zu kommen. Wir wollen Transparenz auf beiden Seiten, wer sich nicht bereit erklärt, diese Fragen zu beantworten, wird kein Wildling Partner.

Die Schuhe so zu gestalten, dass alle Bestandteile nach Gebrauch wieder in den Wertstoffkreislauf oder recycelt werden können (Cradle-to-Cradle), würde unsere Schuhe weiter Richtung „Zero Footprint“ bringen. Mit einem Minimalschuh, der per Definition schon aus wenigen Bestandteilen besteht, ist das durchaus ein realistisches Ziel. Auch die Langlebigkeit eines Schuhs ist Kern- und Angelpunkt in Sachen Nachhaltigkeit, darum freuen wir uns über Kund_innen, die kaputte Stellen reparieren lassen oder die Schuhe zum Schuster bringen und arbeiten auch hier mit Partnern zusammen.

An der Station „Logistik“ wurde überlegt, in welcher Form man Transport und Lagerung so umweltfreundlich und klimaneutral wie möglich gestalten kann. Möglichst wenig Umverpackung während des Transports oder der Verzicht auf schickes Seidenpapier sind Möglichkeiten.

An der Station Kund_innen & Kommunikation war die Frage nach dem Stellenwert von Nachhaltigkeit groß: Für uns war Nachhaltigkeit immer selbstverständlich, aber wir haben bisher wenig von uns aus diesen Stellenwert betont. Meistens nur als „Entschuldigung“, wenn es irgendwo mit dem Schuh selber Schwierigkeiten gab: „Ja unser Barfußschuh ist nicht ganz wasserdicht ABER dafür aus Biobaumwolle“ oder „Ja, wir haben aktuell nicht ausreichend Schuhe im Lager ABER es wäre nicht nachhaltig, viel Platz für Schuhe bereitzuhalten, die hinterher keiner kauft“.

Von dieser reaktiven Kommunikation wollen wir weg und lieber aufzeigen, welche Kriterien zum Beispiel ein Material, ein Kleber, ein Accessoire erfüllen muss, damit wir guten Gewissens damit arbeiten können.

Und wir wollen in Zukunft auch deutlicher machen, welche Herausforderungen man als Unternehmen im Bereich nachhaltiger Schuhe so zu meistern hat.

Als Team Wildling haben wir an der letzten Station Ideen zusammengetragen, wo Nachhaltigkeit auch über das Produkt hinaus weiter gedacht werden kann: Wie wäre es, wenn jede_r im Team Zeit freigestellt bekäme für ehrenamtliches und soziales Engagement? Kann man eine Biokiste für alle Mitarbeiter_innen umsetzen? Lassen sich bei unserer digitalen Arbeitsweise „grüne“ Tools nutzen und mit Ökostrom arbeiten?

Wildfoxpedition zum GlobalStrikeDay

Das Team der #wildfoxpedition zusammen mit den Bewohner_innen der Over the edge farm mit einer Aktion zum #GlobalStrikeday

Janine fasste die Ergebnisse kurz zusammen und stellte Anna die Frage, ob sie mit dem Tag zufrieden war und wir bei Wildling mit den Ergebnissen arbeiten können.

Anna: “Es war toll, sich wirklich mal teamübergreifend einen ganzen Tag lang mit diesen Themen zu beschäftigen und nicht immer nur zwischen dem Alltagsgeschäft spontane Entscheidungen zu treffen.

Für die kurze Zeit haben wir sehr viel erreicht, auch Punkte aufgenommen, ohne gleich die Umsetzbarkeit in Frage zu stellen. Ein gutes Feedback war, dass wir tatsächlich schon viel davon machen und jetzt noch mal überlegen können, was den größten Mehrwert hat und was schnell und sinnvoll umsetzbar ist. Wir konnten die vielen Ideen, die auch schon da waren, einmal systematisieren und werden jetzt einen Zeitplan aufstellen, was wir als Nächstes angehen. Danke, dass ihr alle da wart, den Tag mit uns gestaltet und mit euren Fragen das Nachdenken voran und in eine produktive Richtung gebracht habt!“

Wir wollen euch hier auf dem Blog auch weiterhin mitnehmen auf unserem Weg zu noch mehr Nachhaltigkeit und wollen wissen, welche Punkte euch besonders interessieren, wo möchtet ihr mehr Informationen haben und was macht - in Sachen Nachhaltigkeit - für euch einen Wildling besonders? Wir freuen uns über jeden Kommentar.

Run Wild - Anna, Ran und Team Wildling

Wenn man als kleines Start-up den Schuhmarkt betritt, noch dazu in einem Nischenmarkt wie “Barfußschuhe”, dann wissen immer alle besser, was möglich ist und was nicht, als man selbst.

“Schuhe aus Biostoffen? Könnt ihr vergessen!”

“Ihr wollt in Europa produzieren? Das wird teuer!”

“Den Stoff innen nicht verkleben? Das wird nicht funktionieren!”

Ja, wir mussten uns viel anhören. Aber wir sind uns treu geblieben und haben gerade im Bereich Nachhaltigkeit viel umgesetzt, was andere für unmöglich hielten.

Umso mehr freuen wir uns, dass die #FridaysforFuture Bewegung aktuell so hohe Wellen schlägt und wir haben den Eindruck, dass sich das in vielen Bereichen bemerkbar macht:

Unternehmen, die Nachhaltigkeit in der Produktion und im Vertrieb wollen, werden von Lieferanten und Produzenten nicht mehr belächelt und immer mehr Kund_innen fragen interessiert und hartnäckig genau nach, welche Materialien woher kommen und unter welchen Bedingungen Produkte hergestellt werden.

Dennoch fehlt oft genug die Transparenz, sowohl in der Lieferkette der Materialien und Produkte, als auch in der Kommunikation seitens der Unternehmen mit den Kund_innen.

Und so haben wir gedacht, wir nutzen den Global Strike Day genau dafür: Wir diskutieren virtuell und auch analog mit allen, die Lust haben, die Frage nach unternehmerischer Verantwortung für Umweltschutz und Klimaerwärmung, überlegen gemeinsam, was wir als Unternehmen bereits tun und noch weiter tun können und auch, wo jede_r einzelne anfangen kann, aktiv zu werden.

Am Global Climate Strike for Future, oder auch #GlobalStrikeDay, dem 24. Mai 2019, schloss Wildling Shoes also den Onlinestore und den Lager Shop und öffnete dafür die Türen in Köln, um hinter die Kulissen blicken zu lassen. Via Live Stream nahmen wir alle mit, die sich für Nachhaltigkeit bei Wildling interessieren. 

 

“Weil es von öffentlichem Interesse ist, was Unternehmen für Nachhaltigkeit tun”

Gegen 10 Uhr eröffnete Moderatorin Janine Steeger, auch bekannt als Green Janine, die Veranstaltung. Nachdem die Zuhörenden noch einmal mit in die Wildling Entstehungsgeschichte genommen wurden, erklärte Gründerin Anna, warum wir Themen, wie die Verantwortung für Umwelt und Klima, nun auch öffentlich diskutieren möchten:

“Weil das Fragen sind, die nicht nur für uns als Unternehmen  relevant, sondern auch von gesellschaftlichem Interesse sind. Schließlich macht die Wirtschaft einen großen Teil aus beim Klimawandel.

Und wir freuen uns auch über das Schwarmwissen, das vielleicht zustande kommt, denn manchmal sieht man vor lauter Bäumen ja den Wald nicht mehr”.

Als Nachhaltigkeits-Experten haben wir Stephan Schaller vom CSCP (Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production) in Wuppertal eingeladen. Stephan begleitet normalerweise Unternehmen, die Nachhaltigkeit zum Thema machen und umsetzen wollen. Mit seiner jahrelangen Erfahrung und dem „Blick von außen“ war seine Einschätzung für uns besonders wichtig und hilfreich - wo steht Wildling auf seinem bisherigen Weg in Punkto Nachhaltigkeit und Transparenz? Wo kann es in Zukunft hingehen?

Stephan: “Meine liebste Definition von Nachhaltigkeit ist, dass es um gutes Leben im Einklang mit den vorhandenen, begrenzten Ressourcen geht. Was ist das gute Leben? Oft wird ja Nachhaltigkeit mit Verzicht und Einschränkungen verbunden, dabei kann man das auch mit viel Positivem verbinden. Eure Schuhe vermitteln ja auch Lebensfreude statt Askese. Wie schafft man es also mit positiven Botschaften, viele Leute mitzunehmen? Wo ist weniger wirklich mehr?

Global betrachtet haben wir schon ein gutes Leben, wie schaffen wir es jetzt, weiter gut zu leben, aber mit einem leichteren Fußabdruck? „Im Einklang mit den vorhandenen Ressourcen“ heißt nicht, den Konsum auf Null zu setzen, sondern auf ein vertretbares Maß runter zu schrauben.

Oft fragen wir als Erstes, wie weit das Thema Nachhaltigkeit im Unternehmen selber verbreitet ist, oder ob es von oben aufgedrückt wird. Hier ist Wildling ja schon richtig weit, jedes Team hat das Thema für seinen Arbeitsbereich im Blick. Das fiel mir im Vorfeld schon positiv auf.

Und dann kann man als Nächstes hinschauen, was die speziellen Fragen für Wildling sind und welchen Fokus man setzen will.

Klimaneutralität ist zum Beispiel ein sehr großes, aber nicht das einzige Thema. Biodiversität ist ein anderer wichtiger Punkt. Darum machen wir keine reinen “CO2 Analysen”, weil das Thema Klimaschutz zu komplex ist. Weitere Fragen sind zum Beispiel: Was sind die sozialen Aspekte in der Herstellung und was beeinflusst den Wasserverbrauch? Wo habe ich Ziele, die auf mehrere dieser Punkte bezogen sind? Dann kann man konkrete Schritte gehen und sich die Herausforderungen in der Lieferkette und im Herstellungsprozess ansehen.“

Anna: “Das ist genau der Konflikt, in dem wir uns ständig befinden: Alles gleichzeitig machen wollen ohne sich zu verzetteln sondern lieber Schwerpunkte setzen wie die Nutzung nachhaltiger Materialien. Und trotzdem bei allem nicht die Wirtschaftlichkeit zu vergessen, schließlich habe ich als Unternehmerin auch Verantwortung für die Menschen, die für Wildling arbeiten.”

Janine: “Kannst du denn für Wildling sagen, wo die größten Stellschrauben sind?”

Anna: “Eigentlich betrifft das alle Arbeitsbereiche, aber die größte Wirkung liegt vermutlich bei der Lieferkette und den Materialien. Woher kommen die Produkte und wie werden sie hergestellt? Cradle-to-Cradle oder recyclingfähige Schuhe sind größere Projekte für die Zukunft, aber wir haben schon konkrete Schritte unternommen: Biostoffe auswählen, langfristige Beziehungen mit Lieferanten aufbauen, damit wir auch auf die Materialauswahl und die Arbeitsbedingungen Einfluss nehmen können. Das funktioniert nur mit Planungssicherheit und vertrauensvoller Zusammenarbeit!”

Klimaschutz durch Biodiversität

Marco Scheel von Nordwolle (die Wolle, die wir für das Innenfutter und manchmal auch für das Obermaterial der Wintermodelle verwenden) ist an diesem Tag unser Gast und wirft an dieser Stelle ein: „Ein gutes Beispiel sind hier unsere Pommernschafe: Wir haben bei Nordwolle mit kleinen Schafherden angefangen. Ein weibliches Schaf bekommt pro Jahr ein bis maximal zwei Lämmer. Wenn Wildling sagt, wir wollen nächsten Winter die dreifache Menge an Wolle, dann ist das nicht im nächsten Winter möglich, sondern frühestens im übernächsten. Das ist also ein Wechselspiel, bei dem Zeit, im Sinne von Langfristigkeit und Planbarkeit, ein entscheidender Faktor ist.

Gleichzeitig zählt der Punkt Artenvielfalt in unserer Zusammenarbeit: Wir nehmen Wolle von bedrohten Schafrassen um die Artenvielfalt und damit diese Populationen am Leben zu erhalten. Wenn wir auf Wildling als dauerhaften Abnehmer für die Wolle rechnen können, dann können wir entsprechend planen.“

Im Gespräch über Nachhaltigkeit und Klimaschutz: rechts Gründer Anna & Ran, in der Mitte im Hintergrund Marco von Nordwolle

Nach der allgemeinen Diskussion über Nachhaltigkeit und die Verantwortung von Unternehmen, ging es ins Detail:

An vier verschiedenen Stationen wurde zusammen mit den Expert_innen diskutiert, wo noch Verbesserungspotential bei Wildling schlummert und wo der größte Effekt für Nachhaltigkeit wäre.

Jede_r konnte sich frei durch den Raum bewegen und über die einzelnen Themen austauschen, Ideen sammeln und diskutieren. Anschließend wurden die Ergebnisse vorgestellt und auch im Livestream mit Interessierten geteilt. Wildling wird mit den Ergebnissen weiterarbeiten und sich immer neue Ziele für die Umsetzung vornehmen.

Die nächsten Schritte bei Wildling

An der Station Produkt wurden folgende Punkte diskutiert: In einem Anforderungskatalog für Hersteller und Lieferanten soll transparent und vergleichbar festgehalten werden, was diese mitbringen müssen um als Partner für uns in Frage zu kommen. Wir wollen Transparenz auf beiden Seiten, wer sich nicht bereit erklärt, diese Fragen zu beantworten, wird kein Wildling Partner.

Die Schuhe so zu gestalten, dass alle Bestandteile nach Gebrauch wieder in den Wertstoffkreislauf oder recycelt werden können (Cradle-to-Cradle), würde unsere Schuhe weiter Richtung „Zero Footprint“ bringen. Mit einem Minimalschuh, der per Definition schon aus wenigen Bestandteilen besteht, ist das durchaus ein realistisches Ziel. Auch die Langlebigkeit eines Schuhs ist Kern- und Angelpunkt in Sachen Nachhaltigkeit, darum freuen wir uns über Kund_innen, die kaputte Stellen reparieren lassen oder die Schuhe zum Schuster bringen und arbeiten auch hier mit Partnern zusammen.

An der Station „Logistik“ wurde überlegt, in welcher Form man Transport und Lagerung so umweltfreundlich und klimaneutral wie möglich gestalten kann. Möglichst wenig Umverpackung während des Transports oder der Verzicht auf schickes Seidenpapier sind Möglichkeiten.

An der Station Kund_innen & Kommunikation war die Frage nach dem Stellenwert von Nachhaltigkeit groß: Für uns war Nachhaltigkeit immer selbstverständlich, aber wir haben bisher wenig von uns aus diesen Stellenwert betont. Meistens nur als „Entschuldigung“, wenn es irgendwo mit dem Schuh selber Schwierigkeiten gab: „Ja unser Barfußschuh ist nicht ganz wasserdicht ABER dafür aus Biobaumwolle“ oder „Ja, wir haben aktuell nicht ausreichend Schuhe im Lager ABER es wäre nicht nachhaltig, viel Platz für Schuhe bereitzuhalten, die hinterher keiner kauft“.

Von dieser reaktiven Kommunikation wollen wir weg und lieber aufzeigen, welche Kriterien zum Beispiel ein Material, ein Kleber, ein Accessoire erfüllen muss, damit wir guten Gewissens damit arbeiten können.

Und wir wollen in Zukunft auch deutlicher machen, welche Herausforderungen man als Unternehmen im Bereich nachhaltiger Schuhe so zu meistern hat.

Als Team Wildling haben wir an der letzten Station Ideen zusammengetragen, wo Nachhaltigkeit auch über das Produkt hinaus weiter gedacht werden kann: Wie wäre es, wenn jede_r im Team Zeit freigestellt bekäme für ehrenamtliches und soziales Engagement? Kann man eine Biokiste für alle Mitarbeiter_innen umsetzen? Lassen sich bei unserer digitalen Arbeitsweise „grüne“ Tools nutzen und mit Ökostrom arbeiten?

Wildfoxpedition zum GlobalStrikeDay

Das Team der #wildfoxpedition zusammen mit den Bewohner_innen der Over the edge farm mit einer Aktion zum #GlobalStrikeday

Janine fasste die Ergebnisse kurz zusammen und stellte Anna die Frage, ob sie mit dem Tag zufrieden war und wir bei Wildling mit den Ergebnissen arbeiten können.

Anna: “Es war toll, sich wirklich mal teamübergreifend einen ganzen Tag lang mit diesen Themen zu beschäftigen und nicht immer nur zwischen dem Alltagsgeschäft spontane Entscheidungen zu treffen.

Für die kurze Zeit haben wir sehr viel erreicht, auch Punkte aufgenommen, ohne gleich die Umsetzbarkeit in Frage zu stellen. Ein gutes Feedback war, dass wir tatsächlich schon viel davon machen und jetzt noch mal überlegen können, was den größten Mehrwert hat und was schnell und sinnvoll umsetzbar ist. Wir konnten die vielen Ideen, die auch schon da waren, einmal systematisieren und werden jetzt einen Zeitplan aufstellen, was wir als Nächstes angehen. Danke, dass ihr alle da wart, den Tag mit uns gestaltet und mit euren Fragen das Nachdenken voran und in eine produktive Richtung gebracht habt!“

Wir wollen euch hier auf dem Blog auch weiterhin mitnehmen auf unserem Weg zu noch mehr Nachhaltigkeit und wollen wissen, welche Punkte euch besonders interessieren, wo möchtet ihr mehr Informationen haben und was macht - in Sachen Nachhaltigkeit - für euch einen Wildling besonders? Wir freuen uns über jeden Kommentar.

Run Wild - Anna, Ran und Team Wildling