Feminismus und die Modeindustrie

Gastautorin Kim Gerlach schreibt heute über Feminismus in der Modeindustrie. In ihrem Alltag berät sie mit ihrem Unternehmen sun and rise die nachhaltige Modeszene.

Was Feminismus und Fashion prinzipiell gemeinsam haben, hat dieser Artikel bereits beleuchtet. Aber wie sieht es speziell innerhalb der Modeindustrie aus? Kim beleuchtet Aspekte, in denen wir schon weit gekommen sind und positiv in die Zukunft blicken.

Was der Feminismus schon alles in der Mode geändert hat

Seit den Hosenanzügen und lila Latzhosen sind wir weit gekommen! Ein authentischer Feminismus schwappt langsam aber sicher in die Fashionwelt. Es gibt unisex, größeninklusive, und funktionale Modehäuser, die zukunftsgerichtet denken. Unsere Gesellschaft sensibilisiert sich für Inklusion; Marken produzieren bewusst größere Größen oder petite Kollektionen, um auch Menschen abseits der Standardmaße faire Kleidung tragen zu lassen.
Nicht nur deutschlandweit ploppen viele Fair Fashion Labels auf, die ethisch produzieren und auch marginalisierte Menschen mit ihren Designs ansprechen.

Zertifizierungen wie FairWear Foundation setzen auf die faire Entlohnung und den fairen Umgang aller produzierenden Lieferant:innen. Und unsere Werbung ist diverser denn je. 2019 war das diverseste Jahr auf den großen Modelaufstegen. Der Runway Diversity Report betrachtet Hautfarbe und Identität, wieviele Plus Size Models gebucht wurden, Anzahl aller Transgender und nicht-binärer Models, sowie Alter.

Wildling Minimalschuh FeminismusKim bei der Vorbereitung für eine Demonstration von Fashion Revolution © Constanze Neubert

Viele Personen wagen es, Fashionunternehmen zu hinterfragen. Gemeinsam mit der globalen Bewegung von Fashion Revolution, wird immer wieder hinterfragt #whomademyclothes? Denn 2013 sind bei einem Fabrikeinsturz in Bangladesch über 1.000 Menschen verstorben und mehrere tausend verletzt. Anlässlich zum Jahrestag des Rana Plaza Einsturzes in 2013 ruft die Kampagne auf, Modeunternehmen zu fragen, ob sie denn ihre Lieferkette im Blick haben und Verantwortung für Näherinnen und Produzent:innen übernehmen.

Auch Wildling hat eine natürliche feministische Prägung. Während faire Löhne und auch faire Produktionsbedingungen in der Lieferkette umgesetzt werden, sind die Produkte selbst geschlechtsneutral. Der Schuh gibt Freiheit am Fuß, - weit weg von spitzen Absatzschuhen!
Auch in der Bildsprache und dem allgemeinen öffentlichkeitswirksamen Auftritt wird sich nicht an typischen Klischees bedient und Wilding ist inklusiv und entwickelt sich immer wieder weiter. Das Sozialunternehmen beschäftigt über 70% Frauen, mit 40% auf Führungsebene.

Wildling Minmalschuh Kim Gerlach

Kim 2018 bei der Copenhagen Fashion Week. Inklusive Beinfreiheit und praktischen Taschen © Constanze Beatrice


Dank des Feminismus in der Mode repräsentiert Kleidung weniger die soziale Klasse und wie weiblich eine Person sich identifiziert, sondern mehr ein authentisches Selbst, denn alle können heute tragen was sie möchten.

“Weiblichkeit, feminin sein, und weibliche Identifikation sind somit getrennt voneinander. Und auf Taschen an meinen femininen Kleidern wird längst nicht mehr verzichtet!”
Kim Gerlach

 

* in diesem Artikel wurde das Zwei-Geschlechter-System bewusst genutzt. Hiermit dennoch der Hinweis, dass wir im 21. Jahrhundert mehr als zwei Geschlechter haben und es somit keine Polarität zwischen Mann und Frau ist, sondern eine Skala an Geschlechtern.

 

Vielen Dank für diesen spannenden Einblick in die Entwicklung der Modeindustrie, liebe Kim!

 

Titelbild: © Constanze Neubert

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