Zum Frühstück am Tisch sitzen, in der Straßenbahn hocken, um kurze Zeit später am Schreibtisch zu sitzen oder zum nächsten Termin zu hetzen. Wer kennt es nicht?!

Zum Laufen geschaffen? Von wegen…

Routinierte Verhaltensweisen und einstudierte Bewegungsabläufe prägen unseren Alltag. Letztlich leben wir alle in einer Gesellschaft, in der überdurchschnittliche körperliche Betätigung als verrückt angesehen wird. Das Fahren mit dem Auto, das Reisen mit dem Zug oder dem Flugzeug erscheinen hingegen als das Normalste der Welt.

Schließlich ist es äußerst effektiv und pragmatisch, mal eben, in kürzester Zeit und meist sitzend von A nach B zu gelangen. Gängige Bewegungsmuster und damit verbundene Angewohnheiten haben sich im Laufe der Zeit herausgebildet. Im Sinne der Effizienz durch einen niedrigeren Energieverbrauch tragen sie dazu bei, dass wir verschiedene Muskeln unseres Körpers kaum oder nur sehr selten einsetzen. Heute gehäuft auftretende Erkrankungen wurden erst in den vergangenen Jahrzehnten mit diesem geringeren Maß körperlicher Bewegung in Zusammenhang gebracht. Dass der Mensch zum Laufen geschaffen sein soll, erscheint heute eher als verrückt. Menschen sind nicht besonders schnell. Anders in der Tierwelt, wenn wir an Meister der Geschwindigkeit wie Gepard oder Hase denken.

Born to run

So lautet der Titel von Christopher Mc Dougalls Bestseller, dessen Buch 2010 im Blessing Verlag erschienen ist und zu einem Welterfolg wurde.

Mc Dougall ist Journalist und passionierter Hobbyläufer. Nach der x-ten Verletzung und der wiederholten Aussage verschiedener Mediziner und Physiotherapeuten, er sei nicht für den Laufsport geschaffen, beginnt er mit seiner Suche nach dem Geheimnis des Laufens. Mit einem letzten Funken Hoffnung macht er sich auf die Suche nach den Tarahumara, einem indigenen Volk, das ganz für sich lebt und aus dem die besten und stärksten Läufer der Welt kommen. Die Recherche für sein Buch beginnt.

Sein Suchen fördert erstaunliche Ergebnisse von Wissenschaftlern wie Dr.Bramble, Lieberman und Carrier zutage, die morphologisch als auch anthropologisch unsere Superkraft des Laufens belegen. Parallel dazu erfüllt sich seine Hoffnung, das Geheimnis des einfachen Laufens für sich selber zu entdecken. Konfrontiert mit der Wildheit des Lebensraumes der Tarahumara und mit ihren ungewöhnlichen sozialen Umgangsformen, landet er an der Startlinie des Laufs seines Lebens.

In uns allen liegt die Superkraft des Laufens verborgen. Nicht umsonst ist das Laufen ein beliebter Freizeitsport. Auch die Zahlen von Wettkampfteilnehmern in dieser Sportart nahmen die letzten Jahre zu, und dafür gibt es Gründe.

Unsere unvorstellbaren Laufmöglichkeiten

Wir haben einen Körper, der auf Leistungsfähigkeit ausgelegt ist und einen Geist, der nach Effizienz strebt. In McDougalls Buch wird unser Gehirn als Schnäppchenjäger bezeichnet. Unsere unglaubliche Ausdauerfähigkeit ermöglichte es, dass unser Gehirn evolutionsbiologisch wachsen konnte. Jetzt untergräbt dieses Gehirn diese besondere Fähigkeit ausdauernd laufen zu können, um immerfort Energie einzusparen und für andere menschliche Weiterentwicklung einzusetzen.

Was macht uns zu Superläufern?

Nach Dr.Bramble übernahm der menschliche Körper über einen längeren Zeitraum die verschieden Fertigkeiten eines schnell laufenden Tieres. Das zeigt sich zum Beispiel in einer Achillessehne, deren einzige Aufgabe darin begründet liegt, sich wie ein Gummiband zu dehnen. Für ein gehendes, nicht laufendes Tier, wäre dieses Körperteil lediglich eine Belastung.
Im Vergleich zu Schimpansen sind unsere Zehen kurz und gerade, was beim Laufen sehr hilfreich ist. Fürs Gehen eignen sich lange gespreizte Zehen viel eher.
Auch haben wir Menschen ein ausgeprägtes Hinterteil. Unser kräftiger großer Gesäßmuskel trägt dazu bei, dass wir beim Laufen durch die vom Oberkörper ausgehende Energie nicht vornüber stürzen.

Besonders erstaunlich ist das Nackenband, das Menschen besitzen und das dazu dient, unseren Kopf bei Geschwindigkeit stabil zu halten.

Unsere Beine sind mit super elastischen Sehnen und Bändern ausgestattet. Wie ein aufgedrehtes Gummiband, das sich beim Loslassen in seine Ausgangslage zurück dreht, geben sie Energie weiter und tragen dazu bei, dass wir hervorragende Läufer sind. Mit unserer außerordentlichen Fähigkeit zu schwitzen, besitzen wir das beste Abkühlungssystem überhaupt.

Ein Stückchen Superlaufheld in jedem von uns

Dass wir alle tatsächlich dazu geschaffen sind lange Strecken zu laufen, ist nicht für jeden vorstellbar. Es passt nicht mehr zu dem, wie sich Alltag, Freizeit, Beruf und Familie entwickelt haben. Abläufe haben sich hinsichtlich ihres Zeitaufwands verändert. Bei all der Optimierung unseres Alltages, ist ausdauerndes Laufen schlichtweg nicht mehr notwendig. Dabei ist alles in unseren Körpern angelegt, um zu laufen, zu springen, zu klettern, sich zu bewegen und ja, zu jagen. Wir sind zum Laufen geschaffen.

Das Schöne an der “Superkraft des Laufens”, ist die Tatsache, dass es nichts braucht, um ganz bewusst zu laufen. Wir müssen nicht erst von einem anderen Planeten auf der Erde landen, wie Superman. Menschen sind geschaffen zum Laufen.

Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, mit Schuhen diese Superkraft zu unterstützen und dazu beizutragen, dass sich unsere besonderen Läufereigenschaften neu entfalten: Im Alltag, im Job, auf Reisen und während unzähliger wilden Abenteuer - wo auch immer unsere Beine uns hintragen. In diesem Sinne...


Run wild! Anna, Ran und die Wildlinge