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Die Riesenrafflesien von Sumatra

Wieselflink durch den Dschungel - Ein Gastbeitrag

Raus aus dem Haus! Damals, im Jahr 2011, war das keine Drohung, sondern eine Devise. Wir, Morten und Rochssare, hatten genug von der Heimaterde. Stattdessen schnupperten wir Freiheit. Wir wollten durch unbekannte, weit entfernte Wälder tollen. Veränderung lag in der Luft und so schlichen wir aus den Fluchtröhren unseres Baus hinaus in die Welt.

Seitdem ist viel geschehen. Wir sind von Feuerland bis zur Karibik durch Südamerika gereist. Aktuell reisen wir per Anhalter durch Asien. Die alte Heimat haben wir schon länger nicht mehr gesehen, aber dafür jede Menge neue Erfahrungen gesammelt. Wir sind zufrieden. Die Sonne scheint uns ins Gesicht – auch an Regentagen. 

Gerade sind wir auf Sumatra unterwegs. Die sechstgrößte Insel der Welt liegt noch ein wenig abseits der großen Touristenströme. Hier streifen wir ungestört durch die Wälder und begegnen mannigfachen Naturwundern. Mit dabei ist das Wieselpaar an meinen Füßen. Mit ihnen tobe ich flink durch urigen, üppigen Primärwald. 

Der Waldboden ist tief, aufgeweicht vom Regen der letzten Nacht. Ein heftiger Guss wie er nur in den Tropen niedergehen kann. Rutschige Pfade führen Hügelrücken hinauf. Altes Laub bedeckt die fruchtbare Erde. Jeder Schritt zieht ein leichtes Schmatzen auf dem feuchten Boden mit sich. Wir sind auf der Suche nach der Riesenrafflesia, einer Pflanze, die uns aufgrund ihrer Größe und Pracht in Staunen versetzt. 

Riesenrafflesie

Ohne Blätter, ohne Wurzeln und ohne Stamm bildet sie die größte Blüte der Welt aus. Ein Monster mit einem Durchmesser von bis zu einem Meter und dem Gewicht von drei Neugeborenen. Sie gehört zu den seltensten Pflanzen der Welt. Es gibt nur noch wenige Orte, an denen Riesenrafflesien regelmäßig gesichtet werden.

Das Dorf Batang Paluphu auf Sumatra gehört zu ihnen. Hier in der Umgebung wachsen diese Pflanzen das ganze Jahr hindurch. Wir wandern durch die Reisterrassen der einheimischen Bauern. Dahinter erhebt sich der Dschungel. Schmale Pfade führen durch das Dickicht. Umgeknickte Bäume liegen darüber. Die Baumkronen filtern das Sonnenlicht. Nur hier und da bricht es märchenhaft durch das Blätterdach.

Die Rafflesia ist ein Vollschmarotzer. Sie haftet an Lianen, die hier im Wald weit verbreitet sind. Nicht in der Lage eigenständig Chlorophyll zu bilden, ist sie ohne ihren Wirt verloren. Wir schleichen durch den Dschungel, suchen in alle Richtungen. Mit der Nase im Wind wollen wir die Rafflesien aufspüren, die sich in süßlichen, verwesenden Duft hüllen.

Doch unsere Nasen geben keinen Hinweis. Stattdessen stolpern wir nach einer Stunde auf morastigen Pfaden über dunkelbraune Kohlköpfe auf dem Waldboden. Es sind die Knospen der Riesenrafflesien. In acht Monaten entwickeln sie sich zur vollständigen Blüte, die dann etwa anderthalb Wochen blüht. 

Ein paar Schritte vom Wegrand entfernt, fällt ein steiler Abhang gut drei Meter in die Tiefe. Dort unten erspähen wir die voll entwickelte Blüte einer Rafflesia. Wie ein bauchiger, rötlichbrauner Kochtopf liegt sie auf dem Boden. Fünf riesige, gepunktete Blütenblätter wellen sich um ihr Zentrum . Vielleicht 80 Zentimeter beträgt der Durchmesser der Blüte. Noch nie haben wir etwas Vergleichbares gesehen. 

Wir klettern den Hang an losen Ranken hinab, um der Pflanze noch näher zu sein. Mitten im feuchten Wald sind wir von ihrem Anblick fasziniert. Die Riesenrafflesia zu sehen ist ein Geschenk. Sie zu finden ist ein Abenteuer. Beglückt schleichen wir durch das Unterholz. Der Urwald Sumatras ist nun Teil unserer inneren Landkarte. Er gehört zu unserem Revier.

Run Wild!

Morten und Rochssare

Fotos: © Rochssare Neromand-Soma

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