Die Sommerferien neigen sich ihrem Ende. In den ersten Bundesländern werden schon die Klassenarbeiten des nächsten Schuljahres geschrieben und der perfekte Sommer scheint verdammt weit weg.

Andere Länder haben noch zwei, drei oder vier Wochen Ferien und für sie heißt es: Auf die Plätze! Fertig? Abenteuer los!

Bei der Suche nach dem großen Abenteuer, nach der spannendsten Herausforderung oder der verrücktesten Überraschung gerät das Kleine, das Stille, das Besondere schnell aus dem Blick. Dabei ist es unwesentlich, ob als Familie nach dem herausragendsten Sommerabenteuer gesucht oder als kinderloses Pärchen die perfekte Auszeit für den freigeschaufelten Urlaub angestrebt wird. Beschäftigt mit der Erfüllung des besten Sommers, fallen die vielen tagtäglichen kleinen Abenteuer nicht auf.

Der immer wiederkehrende Alltag

Die Sehnsucht aus dem grauen Alltag auszubrechen treibt natürlich an. Der Frust, tagaus tagein denselben Zwängen ausgesetzt zu sein, wirkt ermüdend. Die Motivation im Urlaub alles anders zu machen, hingegen beflügelnd.

Und manchmal kommt’s zur Bruchlandung, denn Körper und Geist sind nicht bereit, die Seele nicht gefragt. Urlaub muss JETZT, SOFORT sein. Ausspannen auf Knopfdruck. Komme was wolle. Jede Menge Abenteuer und Besonderes für spätere Geschichten im Büro müssen selbstverständlich auch dabei sein.

Groß und besonders - darum geht’s. Für die Kinder ja mitunter auch... Langeweile ist für sie nur schwer auszuhalten und der Hinweis, dass dieselbe der Kreativität und Bildung zugute kommt, ist für Eltern in den Sommerferien auch nicht immer erquickend. Daher ist es hilfreich im Vorfeld eine kleine Bucket-Liste erstellt zu haben, um den Sommer für alle bunt, wild und ja, auch entspannt zu gestalten. Ein paar wilde Ideen für die Kleinen gab es schon zu Anfang dieses Sommers, und zwar hier.

Das kleine leise Abenteuer

Doch manchmal resultiert aus den großen Erwartungen eines wunderbaren Urlaubs ein verkrampftes Drängen und Suchen nach dem perfekten großen Sommerabenteuer. Das leise Anklopfen des kleinen Moments wird überhört und die ersehnte Erholung bleibt aus.

Letztlich geht es doch um das Innehalten. In den Ferien leise werden, wenn die Kinder abends mit schmutzigen Füßen im Zelt eingeschlafen sind kann man selber nochmal vor die Tür klettern unter den weiten Himmel. Vielleicht ist er sternenklar, vielleicht auch nicht. Jetzt ist Gelegenheit zu lauschen. Erst auf den Atem der Kinder, dann auf das schreiende Käuzchen zu Beginn der Nacht und das Rascheln des wilden Tieres im Schutz der Dunkelheit. Den eigenen Herzschlag wahrnehmen und spüren. Ganz bei sich. Frei sein.

Um diese Freiheit geht es und mit ihr verbunden um die Abschaffung der Pflicht, jetzt sofort erholt zu sein. Denn manchmal ist es einfach laut, gerade in Familien. Manchmal wollen sich Zankereien nicht schnell genug beilegen lassen, schon gar nicht im Urlaub. Manches darf so unperfekt hingenommen werden, wie es daherkommt.

Wege im Urlaub zu entschleunigen

Einfache Ideen und Rituale tragen dazu bei, wieder näher zu sich zurück zu finden und frei zu werden von dem Druck, dass der Urlaub einer bestimmten Vorstellung entsprechen muss.

Die ersten oder die letzten zehn Minuten eines Tages als besonderes Geschenk auffassen und in sich hineinfühlen. Wie fühlen sich meine Zehen an? Wie spannt sich die Haut über Gesicht und Handgelenken? ...  - Das gelingt übrigens im Alltag wie im Urlaub.

Das Schreiben, Zeichnen und Bekleben eines Tagebuches können hilfreiche Beschäftigungen sein, um sich mit Erlebtem auseinanderzusetzen. Nicht nur beim Aufzeichnen des Streifzugs durch den Wald, sondern auch beim Betasten der im Geäst hängenden Schwanzfeder eines großen Vogels, die als Schatz mit nach Hause genommen wird, kann man zu sich finden.

Manchmal reicht es aus einen einzelnen Gedanken am Tag über einen gewissen Zeitraum aufzuschreiben. Sowohl das Festhalten als auch das Rückbesinnen auf diese Momente nach dem Urlaub machen achtsam für das, was das Herz umtreibt.

Was für eine Bucket-Liste ließe sich eigentlich für die ersten vier Wochen im alltäglichen Familienchaos oder Büroalltag erstellen?

Auf die Plätze! Fertig? Aufhorchen...

Oftmals flüstert eine leise Stimme tief im Herzen genau das, was es braucht, um zur Ruhe zu kommen, wahrzunehmen und sich vom Augenblick beschenken zu lassen. Plötzlich ist das Abenteuer da und Staunen erfüllt den Ort, wo vorher so viel Sehnsucht steckte.


Was flüstert dir dein wildes Herz zu?


Run wild! Anna, Ran und die Wildlinge

Foto von Wildundwunderbar