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Bienenretten: Was wir für die Bienen tun können

Wie die Bienen leben und warum sie so wichtig für uns sind, hat uns Gastautorin Jenni vom Blog Mehr als Grünzeug bereits in diesem Artikel verraten. Heute erfahren wir von ihr, was den fleißigen Bestäuberinnen aktuell das Leben schwer macht und wie wir ihnen helfen können.

Was der Biene zusetzt…

Der größte Bedrohungsfaktor für Insekten hierzulande und weltweit ist die industrielle Landwirtschaft mit ihren sich immer weiter ausbreitenden Monokulturen. Sie bieten ungenügende Futterquellen für die Tiere, zerstören natürliche Lebensräume und haben als Überraschung häufig gefährliche Pestizide im Gepäck, die nicht zwischen unerwünschten Tierarten und erwünschter Bestäuberin unterscheiden. Erst zu Beginn dieses Jahres erlaubte Ernährungsministerin Julia Klöckner beispielsweise den Einsatz von Neonicotinoiden auf Zuckerrübenfeldern. Die sind eigentlich in der EU verboten – unter anderem, weil sie ein starkes und tödliches Nervengift für Bienen sind.

Wie viel Schwund in den Insekten-Populationen gerade vorherrscht, ist bisher nicht klar genug, um eindeutige Zahlen zu kommunizieren – einige sprechen davon, dass rund 40% der Insekten (die Tierklasse mit der größten Artenvielfalt) schrumpfende Bestände zu verzeichnen haben. Ein Drittel der betroffenen Arten ist vom Aussterben bedroht. Das ist höchst dramatisch, denn Insekten bilden die Basis von vielen Ökosystemen – verschwinden sie, sind zahlreiche weitere Arten ebenfalls gefährdet.

Auch der Honigbiene geht es nicht gut – seit Jahren wird über das Bienensterben berichtet. Noch 2017 vermeldeten amerikanische Imker*innen, dass 40% ihrer Völker jedes Jahr sterben – bei den europäischen Kolleg*innen waren es immerhin noch 30% tote Kolonien jährlich. Die Gründe sind vor allem Parasiten wie die Varroa-Milbe, Pestizide und Insektizide. Auf der anderen Seite steigt hierzulande das Interesse am Imkern (vor allem in den Städten) und so ist seit 2009 ein stetiger Anstieg der Honigbienenpopulationen in Deutschland zu beobachten. Das sollte uns aber nicht über das zugrundeliegende Problem hinwegtäuschen.

…und wie wir ihr helfen können

Seit einigen Jahren sehe ich jeden Sommer Massen an toten Hummeln herumliegen – überall: im botanischen Garten, beim Spaziergang durch die Kleinstadt. Manche kriechen kraftlos und verwirrt über die Bürgersteige. Ich würde gerne jede einzelne aufpäppeln, aber es ist ein hoffnungsloses Unterfangen. Es gibt zu wenig Nahrung für sie – die meisten Pflanzen, die sie heutzutage noch finden, sind im Hochsommer verblüht. Dann verhungern die Tiere.

Wildling Minimalschuh Biodiversität BienenFoto: Mehr als Grünzeug

„Ich bin so alt, dass ich noch erlebt habe, wie Wiesen voller Hummeln, Schmetterlinge und Hornissen waren. Wenn man das nicht kennt, merkt man den Mangel gar nicht. Aber in mir ist da eine riesige Traurigkeit“, sagt der Neurobiologe und Bienenforscher Randolf Menzel von der Freien Universität Berlin (1) und ich kenne diese insektenvollen Wiesen zwar nicht mehr, aber ich spüre ebenfalls große Trauer. Bei mir ist es diese ganz bestimmte Art Traurigkeit, die ich für etwas empfinden kann, das ich nie kennengelernt habe – eine Art rückwirkender Verlust, die sich aus dem Wissen speist, dass es heute ganz anders (besser) sein könnte. Es ist die Gewissheit, dass in der Vergangenheit die nötigen Entscheidungen für diese bessere Realität nicht getroffen worden sind.

Ich glaube, wir denken kollektiv gerade viel über die Zukunft nach – unsere eigene, aber auch die unserer Welt insgesamt. Nicht zuletzt die Corona-Pandemie hat uns die Frage, wie wir leben wollen und ob das, was wir hier machen, eigentlich eine gute Idee ist (nein) gewissermaßen ins Gesicht geklatscht. Zuerst sah alles auch danach aus, als hätten wir im globalen Norden ein Erweckungserlebnis gehabt: Bio-Lebensmittel boomten, Menschen entdeckten nachbarschaftliche und internationale Solidarität für sich, die Treibhausemissionen sanken gezwungenermaßen, die Natur in der Umgebung rückte in den Fokus der Aufmerksamkeit – auch, weil uns schmerzhaft deutlich wurde, wie sehr wir diese nicht-geformten, wilden Rückzugsorte brauchen.

Gerade stehen leider wieder alle Zeichen auf „Weiter so“ und „Mit voller Kraft voraus“, was die globalen Treibhausemissionen bereits jetzt auf ein höheres Level als zu Vor-Corona-Zeiten getrieben hat. Klima und mit ihm Biodiversität können sich gerade nicht gut neben Covid-19 in den Nachrichten behaupten, dabei hängen die drei Dinge miteinander zusammen – und uns läuft die Zeit davon. Es sei logisch, dass „ein Kollaps des globalen terrestrischen Ökosystems und seiner Ökosystemleistungen für die Menschheit im 21. Jahrhundert“ (2) erfolgen werde, wenn alles so weitergehe, schreibt Oliver Stengel, Professor für Nachhaltige Entwicklung an der Hochschule Bochum in seinem neuen Buch „Vom Ende der Landwirtschaft“. Er fordert daher, dass wir die Landwirtschaft, wie wir sie seit 12.000 Jahren kennen, abschaffen und wieder mehr Platz für ungezähmte Natur schaffen.

Damit ist er nicht allein: Eine Gruppe Wissenschaftler*innen fordert, direkt 50% der globalen Landfläche an die Natur zurückzugeben – so würden alle gewinnen (obendrein die indigenen Gemeinden, denen ihr Land geraubt wurde). Wir tun gut daran, uns mit diesem Gedanken zu beschäftigen, denn diese Lösung scheint eine der wenigen zu sein, die schnelle und effektive Erfolge sowohl bezogen auf Biodiversität als auch die Klimakrise versprechen.

Das können wir für die Bienen tun

Aber wir können auf dem Weg zum großen Sprung auch Zwischenschritte machen: Solange wir noch keine zukünftige Lebensmittelsicherheit unter anderem durch neue Technologien wie vertikale Farmen, In-Vitro-Züchtung von Pflanzenzellen und den weitgehenden Verzicht auf tierische Produkte (bzw. den Ersatz durch im Labor hergestellte Alternativen) herstellen können, was zugleich unfassbar viel freie Fläche für Renaturierung bedeuten würde, (3) müssen wir kleiner weitermachen. Mit weniger Verschwendung und deutlich mehr bio-dynamischer Landwirtschaft beispielsweise, wenn wir zufällig einen landwirtschaftlichen Betrieb führen oder einen Garten bepflanzen. Die meisten von uns werden eher die Möglichkeit zu Letzterem haben – oder zumindest einen Balkon zur Verfügung haben, auf dem sie ein wenig mit bienenfreundlichen Blühpflanzen experimentieren können.

Wildling Minimalschuh BienenFoto: Mehr als Grünzeug

Was wir als Einzelpersonen tun können:

  • das Anlegen von Blühstreifen auf Feldern
  • das Aufstellen von Insektenhotels in Gärten und Parks
  • das Aussäen bienenfreundlicher Pflanzen wie Sonnenblumen, Artischocken, Bartblumen, Büschelschön, Efeu, Klee, Phacelia (Bienenfreund) oder mehrjähriger Kräuter wie Rosmarin und Salbei im Garten oder auf dem Balkon / der Fensterbank
  • das Bereitstellen von Nistmöglichkeiten wie Stöcken oder geschütztem Raum am Boden (viele Wildbienenarten nisten dort)
  • der Verzicht auf Pestiziden und Insektiziden (auf ökologisch bewirtschafteten Flächen finden sich rund 30% mehr Bienen als auf konventionellen Flächen)
  • der Umstieg auf eine weitgehend tierfreie Ernährung – sie spart im Vergleich zur tierlastigen bis zu 76% Fläche ein (heute wird rund die Hälfte der bewohnbaren Erdfläche landwirtschaftlich genutzt, wobei die Landwirtschaft für mindestens 1/3 der globalen Treibhausemissionen verantwortlich ist)
  • der Fokus auf Biolebensmittel, möglichst regional und saisonal (sofern machbar)
  • das Unterstützen von Volksbegehren, Petitionen und Co. zum Schutz der Biodiversität (Verkehrswende NRW, Rettet die Bienen etc.) und gemeinnützigen Vereinen (beispielsweise Mellifera e.V. durch eine Bienenpatenschaft)

Langfristig werden wir aber nicht darum herumkommen, uns diese eine Frage zu stellen: Wie wollen wir leben – und vor allem überleben?

Der Weg zum guten Leben sowohl für zukünftige Menschen- als auch Bienen-Generationen führt nicht an einer intensiven, pestizidüberlasteten und von wenigen Konzernen gesteuerten Landwirtschaft, sondern an einer globalen Gesellschaft vorbei, die sich die Prinzipien von Suffizienz (Genügsamkeit) und Reduktion, Kreislauffähigkeit sowie Bewahrung und Renaturierung anstelle von rücksichtslosem Wachstum verschrieben hat. Die sich nicht als abgespaltenen Teil einer Umwelt, sondern als integraler Bestandteil einer Mitwelt versteht. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht.

 

Titelfoto: Mehr als Grünzeug

 Quellen:
(1)  Vgl. Eitner, Kerstin und Morgenthaler, Katja: Die Biene. Eine Liebeserklärung. greenpeace magazin edition: Hamburg 2015. S. 104.
(2)  Stengel, Oliver: Vom Ende der Landwirtschaft. Wie wir die Menschheit ernähren und die Wildnis zurückkehren lassen. München: oekom 2021. S. 72.
(3) Vgl. Stengel, Oliver: Vom Ende der Landwirtschaft. Wie wir die Menschheit ernähren und die Wildnis zurückkehren lassen. München: oekom 2021.

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